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Die Lehre aus den Referenden: Deutschland will die Spiele

Passend dazu leuchtete die Hohenzollernbrücke, die den Rhein in Köln überspannt, in den Farben der olympischen Ringe. 

Knapp 700 Kilometer liegen zwischen Kiel und München. Zwischen Aachen und Berlin sind es gut 500 Kilometer. Egal, wo man dieser Tage nachfragt: Die Menschen im Land wollen Olympische und Paralympische Spiele. Die Ergebnisse der Referenden am vergangenen Sonntag unterstreichen diese Entwicklung. Die am Konzept KölnRheinRuhr beteiligten Kommunen stimmten mit 66,0 Prozent für eine Bewerbung, in Kiel waren es 63,5 Prozent Zustimmung. Bereits im Oktober 2025 hatte München ein positives Votum mit 66,4 Prozent Zustimmung abgegeben. Insgesamt haben inzwischen mehr als 1,2 Millionen Menschen bereits ihr „Ja“ zu Olympia und Paralympics in Deutschland gegeben, am 31. Mai sollen in Hamburg viele weitere positive Stimmen folgen. 

Auch in Berlin ist die Bürgerbeteiligung in vollem Gange. Am Dienstag wurde dem Senat eine Bürgercharta für Olympia übergeben. Sie ist das Ergebnis eines mehrstufigen Beteiligungsprozesses – bestehend aus verschiedenen Workshops, einer Kiez-Tour in allen Bezirken sowie einem Bürger- und Jugendforum. Das Dokument bündelt die vielfältigen Stimmen der Berliner Stadtgesellschaft zu zehn konkreten Handlungsempfehlungen für verantwortungsvolle, nachhaltige und gemeinsam gestaltete Olympische und Paralympische Spiele in Berlin. 

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Begeisterung für die Olympische Idee ist kein regional begrenztes Phänomen. Sie verbindet Menschen zwischen Rhein und Ruhr ebenso wie an der Ostsee, im Süden und bundesweit. Olympische und Paralympische Spiele sind die Bewegung, die Deutschland jetzt braucht. Eine Idee, die verfängt. Laut einer repräsentativen Umfrage von Dezember 2025 wünschen sich 74 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Olympische und Paralympische „Heimspiele“ in Deutschland. Damit zeigt sich eine breite gesellschaftliche Basis, die weit über einzelne Regionen hinausgeht. 

Diese Ergebnisse sind dabei mehr als reine Zustimmungswerte. Sie zeigen, dass Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland in der Lage sind, demokratische Mehrheiten hinter sich zu vereinen. Olympia kann den Sport wieder stärker in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken, Menschen aktivieren und Impulse setzen, die wirken. Mit Blick auf das anstehende Referendum in Hamburg am 31. Mai sowie den weiteren Beteiligungsprozess in Berlin wächst das Momentum weiter. Der Rückenwind für eine starke deutsche Bewerbung nimmt spürbar zu. Das internationale Interesse an einer deutschen Bewerbung ist durch die Ergebnisse aus NRW und Kiel sicher nicht geringer geworden. 

Deutschland will die Spiele. Sie sind die Bewegung, die das Land jetzt braucht.

„Die Top Ten kamen in meinen kühnsten Träumen nicht vor“

Es gibt sie ja immer mal wieder, diese Geschichten, die medial als „Sportmärchen“ bezeichnet werden. Und doch sind sie jedes Mal aufs Neue faszinierend. Auf das zumindest, was Sabine Winter gerade erlebt, trifft dieses Adjektiv in vollem Umfang zu. Zu einem Zeitpunkt ihrer Karriere, in dem große Entwicklungssprünge absolut nicht die Regel sind, hat die 33 Jahre alte Tischtennis-Nationalspielerin Anfang April mit dem Gewinn der Bronzemedaille beim World Cup in Macau erstmals in ihrer Laufbahn den Sprung unter die besten zehn der Weltrangliste geschafft. Vor der Rechtshänderin vom TSV Dachau stehen lediglich acht Asiatinnen. Wie war diese Entwicklung möglich, und wohin kann sie noch führen? Darüber und über ihre Ziele für die anstehende Team-WM in London (28. April bis 10. Mai) spricht die in Bad Soden am Taunus geborene deutsche Spitzenspielerin im DOSB-Interview.

DOSB: Sabine, nach deinem World-Cup-Coup an Ostern hast du gesagt, du hättest eine solche Entwicklung nicht für möglich gehalten und würdest diese als surreal empfinden. Mit zwei Wochen Abstand: Wie fühlt es sich an, zu den besten zehn Tischtennisspielerinnen der Welt zu gehören?

Sabine Winter: Es ist schon ein wenig mehr ins Bewusstsein eingesickert. Aber wenn ich nun in der Sporthalle als Nummer neun der Welt angekündigt werde, klingt das für mich immer noch komisch. Ich kann es weiterhin nicht wirklich glauben, aber ich genieße es sehr. Es gibt im Profisport ja leider wenig Zeit, um Erfolge zu genießen, weil meist sehr schnell der nächste Wettkampf ansteht. Aber die Siegerehrung beim World Cup hatte mir schon sehr geholfen, um zu realisieren, was ich erreicht habe.

Um auf dieses Level zu kommen, hast du vor knapp eineinhalb Jahren eine sehr mutige und ebenso ungewöhnliche Entscheidung getroffen: Du benutzt auf der Rückhand einen Anti-Topspin-Belag, den auf internationalem Level kaum jemand spielt, und musstest deshalb deinen Spielstil komplett umstellen. Erkläre doch bitte den Laien unter uns, was genau du da gemacht hast.

Grob verkürzt gesagt spiele ich auf der Rückhand einen Belag, der das Tempo aus dem Spiel nimmt. Man kann damit nicht aktiv Spin spielen. Wenn ich das versuchen würde, würde der Ball nicht einmal bis zum Netz kommen. Wenn ich einen Ball mit viel Qualität im Spin zugespielt bekomme, kann ich den Spin aufnehmen, aber eben nur reaktiv.

Und was bewirkt das?

Dadurch dass ich das Spiel verlangsame, kann ich meine starke Beinarbeit und meine Vorhand als wichtigste Waffe viel besser ins Spiel bringen. Früher waren viele der Meinung, dass meine Rückhand sehr schlecht sei. Im Vergleich zur Vorhand stimmte das auch, ich würde sie aber als grundsolide bezeichnen. Aber ich konnte das Tempo, das insbesondere die Asiatinnen spielen, über die Rückhand nicht mitgehen, so dass ich deshalb meine Vorhand nicht zur Geltung bringen konnte. Nun verlangsame ich das Spiel, was dazu führt, dass viele Gegnerinnen irritiert sind und damit nicht so gut umgehen können. Und ich kann das nutzen, um über die Vorhand meinen aggressiven Stil besser umzusetzen. Wenn es gelingt, die Gegnerinnen zu verwirren, bekommt man öfter einen passiven Ball, den man attackieren kann. So kann ich mein offensives Spiel der Konkurrenz besser aufzwingen. Insgesamt bin ich viel variabler geworden, habe ein größeres Schlagrepertoire und habe sogar einen komplett neuen Schlag erfunden, einen Rückhand-Topspin mit dem Belag auf der Vorhandseite.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dass der Materialwechsel inklusive Umstellung des Spielstils der Gamechanger sein könnte?

Den ersten Impuls dazu hatte ich schon im Januar 2023. Damals habe ich mir viele Spiele von Konkurrentinnen angeschaut und analysiert, dass sich die Topleute gegen den Stil, den ich heute spiele, schwerer tun als gegen das, was die meisten spielen und wogegen sie auch im Training stundenlang spielen. Mein Gefühl war, dass es zu meinen Stärken passen könnte, wenn ich lerne, die Schläge mit dem Anti-Topspin-Material zu beherrschen und in ein neues Spielsystem zu integrieren, denn mir war klar geworden, dass es mir im modernen Hochgeschwindigkeits-Tischtennis nicht oft genug gelang, meine Stärken umzusetzen. Ich wollte den Belag nicht, um offensiv damit zu punkten, sondern um meine Stärken besser ins Spiel zu bringen. Außerdem war ich in einer Phase, in der ich nicht mehr allzu viel Spaß an meinem Sport empfand, weil ich nicht mehr richtig vorwärts kam.

Was hat dich damals davon abgehalten, es zu versuchen? Einmal alles komplett umzukrempeln birgt ja auch große Risiken. Hast du diese damals noch gescheut?

Ich dachte zunächst: Bestimmt ist es eine dumme Idee. Es hat noch nie jemand geschafft, und es hat Gründe, warum die allermeisten das moderne Material nutzen. Und trotzdem hat es mich nicht losgelassen. In 25 Jahren Tischtennis hatte ich gelernt, auf alles eine Antwort zu finden. Aber auf diese Frage fehlte sie mir. Deshalb habe ich Hermann Mühlbach angerufen, den ich als einen der besten Experten im Bereich Belagmaterial ansehe und der mich schon trainiert hat und deshalb mich und meine Stärken kennt.

Und was war dessen Einschätzung?

Er hat gesagt, dass ein solcher Schritt sehr viel Mut erfordere, aber dass er es mir zutraue. Wir haben dann ausgemacht, dass ich im Sommer während der Turnierpause mal zu ihm fahre, damit er mir in der Theorie alles erklären konnte. Also war ich zehn Tage bei ihm. Ich dachte noch auf der Anreise, dass ich wahrscheinlich sehr schnell alles verwerfen würde, aber ich wollte es unbedingt ausprobieren. Und dann hat es mir großen Spaß gemacht, und ich habe die kleine Chance gesehen, dass ich es wirklich lernen könnte.

Woran hast du diese kleine Chance festgemacht?

Ich war schon immer ein Mensch, der das Glück hat, schnell zu lernen. Und ich habe einen großen Ehrgeiz, bei Dingen, die ich wirklich können möchte, mit viel Beharrlichkeit am Ball zu bleiben. Ich bin neugierig auf verschiedene Sportarten und habe deshalb vieles ausprobiert. Mit meinem älteren Bruder habe ich mir richtige Battles darum geliefert, wer etwas schneller lernt. Einmal haben wir zu Weihnachten Keulen zum Jonglieren geschenkt bekommen, weil wir es mit Bällen schon konnten. Irgendwann haben wir darum gewettet, wer es als Erstes schafft, zehn Meter jonglierend auf einer Slackline zu balancieren. Ich bin überzeugt davon, dass die verschiedenen Bewegungsmuster, die ich mir durch solches Training angeeignet habe, mir auch bei der Umstellung sehr geholfen haben.

Du wolltest also die Umstellung durchziehen. Dennoch hat es mehr als ein Jahr gedauert, bis du es gewagt hast. Warum?

Weil ein solcher Wechsel auf ziemlich viel Gegenwehr stößt. Die meisten waren überzeugt davon, dass man mit diesem Belag schnell an Grenzen kommt und nichts ausrichten kann. Zudem hatte in meinem Alter noch niemand auf dem Niveau einen solchen Schritt gewagt. Und ganz ehrlich: Ich konnte diese Zweifel verstehen, denn ich hatte sie ja selbst. Aber ich wollte unbedingt beweisen, dass es gehen kann. Also habe ich, weil niemand mit mir trainieren wollte, einen Roboter gekauft und mit dessen Hilfe in vielen Wiederholungen die neue Schlagtechnik gelernt.

Die Bedeutung von Bewegungsangeboten im öffentlichen Raum

Sport gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten in Deutschland, und rund 80 % der über 16-Jährigen treiben regelmäßig Sport. Alle diese Menschen, ob sie aktiv Sport treiben oder auf andere Weise damit in Kontakt kommen, verknüpfen ihre sportlichen Aktivitäten mit Sportstätten. Diese sind ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie laden Menschen dazu ein, sich zu bewegen, Lebensfreude zu erfahren, sich zu begegnen und ihre Gesundheit zu fördern. Sportstätten bilden die Basis für den Breiten- und Leistungssport, dem fast 28 Millionen Mitglieder des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) angehören, sowie für den Schulsport und die Ausbildung von Sportlehrern an Hochschulen. In städtischen und ländlichen Gebieten bieten sie nicht nur Raum für Bewegung, sondern auch wichtige Treffpunkte, die das Gemeinschaftsgefühl und die Identität von Städten und Gemeinden stark prägen. Darüber hinaus trägt der Sport erheblich zur Stärkung der Demokratie bei, indem er Teamgeist, Toleranz und Fairness fördert. Sportstätten sind – neben Personal und Finanzmitteln – die wichtigste Ressource des Sports.

Wohl wissend der Bedeutung von Sportstätten, wurden in den letzten Jahren einige Herausforderungen deutlich: der Zustand vieler Sportstätten ist mangelhaft, Sportstätten werden in Krisenzeiten zweckentfremdet und außerdem hat sich das Sportverhalten der Bevölkerung gewandelt:

In Deutschland gibt es rund 231.000 Sportstätten, darunter Sportvereinszentren, Stadien, Sporthallen, Bäder, Schießsportstätten und vieles mehr. Dazu kommen rund 370.000 Kilometer Reitwege, Laufstrecken oder Loipen. Das ist eine beeindruckende Bilanz, kein ein anderes Land der Welt weist eine solche Vielzahl an Sportstätten auf. Diese Vielzahl an Sportgelegenheiten ist grundsätzlich auf die Sportstättenbauoffensive „Goldener Plan“ in den 1960er bis 1980er respektive „Goldener Plan Ost“ in den 1990er und 2000er Jahren zurückzuführen. Dadurch konnte in rein quantitativer Sicht der Bedarf an Sportstätten in Deutschland gedeckt werden. Doch viele dieser Anlagen sind inzwischen veraltet und sanierungsbedürftig. Dies liegt daran, dass seither keine große bundesweit angelegte Sportstättenbauinitiative durchgeführt wurde.

Neue Konzepte zum Sporttreiben entwickeln

In jüngster Zeit zeigt sich immer deutlicher, dass Sportstätten von ihrer eigentlichen Funktion abweichen. So wurden sie beispielsweise als Wahllokale, Impfzentren oder Veranstaltungsorte genutzt. Während der Flüchtlingskrise dienten sie sogar als Unterbringungsmöglichkeiten. Besonders während der Hochphase der Corona-Pandemie waren viele Sportstätten für den Sport gänzlich unbrauchbar.

Darüber hinaus haben sich die Bedürfnisse der sportaktiven Bevölkerung verändert, die u.a. durch den demographischen Wandel sowie Veränderungen des Sporttreibens ausgelöst werden. Daher entsprechen viele Funktionen der Sportstätten nicht mehr den aktuellen Anforderungen.

Es gilt also mehr denn je diese Herausforderungen als Chance zu sehen. In Zeiten, in denen sich Menschen immer stärker individualisieren, gilt es neue Konzepte zum Sporttreiben zu entwickeln. Auch der gemeinwohlorientierte Sport hat diesen Trend für sich entdeckt und sich proaktiv mit dieser Thematik befasst.

Von Mai 2022 bis April 2024 führte der DOSB das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt „SPORTOUT: Sportvereine draußen stark machen – Gesunde Sportangebote nachhaltig in der Natur gestalten“ durch. SPORTOUT hat durch innovative Maßnahmen und Bewegungsformen Antworten auf die aktuellen Herausforderungen der Mitgliedergewinnung und -bindung in Sportvereinen und -verbänden gegeben. Darüber hat das Projekt dazu beitragen, Vereine fit für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft zu machen. Sie dazu motiviert, Innovationen in den Bereichen der Angebots- und Mitgliederentwicklungen zu wagen – mit einem besonderen Schwerpunkt für gesundheitsfördernde Angebote im Freien – und damit ihre Attraktivität erhöht. Als ein zentrales Ergebnis des Projektes wurde eine hilfreiches Wissensportal erarbeitet, welches Informationen und Handlungsempfehlungen zum Sport im Freien gibt.