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Deutsches Sportabzeichen bringt 2025 noch mehr Menschen in Bewegung

Das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderungen bleibt auf Erfolgskurs: Im Jahr 2025 wurden bundesweit 577.570 Sportabzeichen verliehen. Das sind 27.202 mehr als im Vorjahr und entspricht einem Plus von fast fünf Prozent. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Das Deutsche Sportabzeichen ist ein wirksamer Motor für Bewegung, Gesundheit und Gemeinschaft – in der Schule, im Verein und vor Ort.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Mit 431.945 erfolgreichen Abnahmen verzeichnet diese Gruppe einen Zuwachs von 5,56 Prozent gegenüber 2024 und trägt damit maßgeblich zur positiven Gesamtentwicklung bei.

DOSB-Vorständin Michaela Röhrbein sagt: “Das Deutsche Sportabzeichen zeigt, wie wir Menschen über Generationen hinweg für Bewegung begeistern können. Die steigenden Zahlen bei Kindern und Jugendlichen sind ein starkes Signal – zugleich liegt eine große Chance darin, ältere Menschen noch stärker zu erreichen. Denn Bewegung kennt kein Alter: Sie stärkt Gesundheit, Selbstvertrauen, Teilhabe und Gemeinschaft. Genau damit zahlt das Sportabzeichen auf unsere Ziele 2035 ein: mehr Menschen in Bewegung bringen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Sport stärken.”

„Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen, sich ehrenamtlich zu engagieren“

DOSB: Julian, herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung. Welchen Stellenwert hat ein solcher Preis verglichen mit Titeln oder Auszeichnungen, die du im Leistungssport schon gewinnen konntest?

Julian Köster: Natürlich möchte ich als Sportler Titel und Erfolge auf dem Spielfeld feiern. Trotzdem freue ich mich sehr über diese Auszeichnung und bin wirklich stolz darauf. Besonders wichtig ist mir aber, dass sie die Athletinnen und Athleten von Special Olympics Deutschland und Menschen mit geistiger Behinderung noch ein Stück sichtbarer macht. Es kennen noch immer zu wenig Menschen die Organisation und die großartige Arbeit, die dort geleistet wird.

Du kannst leider aus privaten Gründen nicht persönlich den Preis entgegennehmen. Wie geht es dir gesundheitlich?

Mir geht es gesundheitlich zum Glück wieder gut. Nach dem Verletzungsschock im April und der überstandenen Reha konnte ich schon wieder auf der Platte stehen und meine letzten Spiele für den VfL Gummersbach absolvieren (Julian wechselt nach dieser Saison zum THW Kiel, d. Red.). Leider kann ich nicht persönlich in Biebrich dabei sein, was ich sehr bedauere. Umso mehr freut es mich, dass mein Freund und Special-Olympics-Athlet Thomas Wendt vor Ort ist. Er hat mir schon zugesichert, dass er alles regeln wird. Das gibt mir ein gutes Gefühl.

Der Fair Play Preis des Deutschen Sports würdigt in jedem Jahr herausragende Aktionen, die für Mitmenschlichkeit stehen. Welche Szene aus deiner Karriere ist dir in Verbindung mit Fair Play am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?

Das Schöne ist, dass sowohl der Handball als auch der Sport bei Special Olympics sehr von Fair Play geprägt sind. Natürlich denke ich, wenn ich „Fair Play Preis“ höre, zuerst an Andi Wolff, der vor zwei Jahren ebenfalls damit ausgezeichnet wurde. Damals hatte er sich bei der WM 2023 in zwei Aktionen dafür eingesetzt, dass gegnerische Spieler nicht zu Unrecht mit Zeitstrafen belegt wurden. Aber eigentlich steht diese Haltung für den Handball insgesamt. Woche für Woche erlebt man solche Gesten – egal ob im Jugendbereich, bei den Amateuren oder im Profisport. Genau das erlebe ich auch bei Special Olympics. Natürlich wollen alle gewinnen und ihr Bestes geben. Aber gleichzeitig stehen Respekt, Miteinander und gegenseitige Unterstützung immer im Vordergrund. Das macht für mich Fair Play aus.

Handball gilt als extrem harter, aber trotzdem sehr fairer Sport. Warum gelingt im Handball dieser Spagat anscheinend besser als anderswo?

Weil diese Werte von Anfang an vorgelebt werden. Es spielt keine Rolle, ob man mit Freunden in der Halle steht oder ein Champions-League-Finale spielt. Respekt vor dem Gegner und den Schiedsrichtern gehören im Handball einfach dazu. Dass das so ist, ist leider nicht selbstverständlich. Schön wäre es natürlich, wenn das in allen Sportarten und auch im Alltag gelebt werden würde.

Den Sonderpreis erhältst du für dein langjähriges Engagement für Special Olympics Deutschland. Wie kam es dazu, dass du dich für diese tolle Organisation einsetzt?

Begonnen hat alles mit einem Fotoshooting für die Landesspiele 2024 von Special Olympics NRW in Münster. Kurz zuvor hatte ich die Special Olympics World Games 2023 in Berlin verfolgt. Darüber wurde damals sehr viel berichtet. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich vorher kaum Berührungspunkte mit Special Olympics hatte. Die Bilder und Geschichten haben mich beeindruckt. Kurz darauf wurde ich zu einer Veranstaltung eingeladen. Damals hat es terminlich leider nicht gepasst, aber nach den Gesprächen mit Verantwortlichen von Special Olympics war für mich klar, dass ich das unbedingt selbst erleben möchte. Bei den Landesspielen in Münster war ich dann einen Tag vor Ort und sofort begeistert – von der Atmosphäre, den Emotionen und Leistungen der Athletinnen und Athleten und der Freude, die überall zu spüren war. Dort habe ich auch mein erstes inklusives Handballtraining geleitet. Ich war vorher ehrlich gesagt nervös, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Aber die Sportlerinnen und Sportler haben mich direkt aufgenommen, als würde ich schon lange dazugehören. Dieses Gefühl hat mich nachhaltig beeindruckt. Seitdem freue ich mich über jedes Special-Olympics-Event, bei dem ich dabei sein darf.

Kopf, Herz und Bauch sind endlich wieder Freunde

Zu Hause ist es am schönsten? Ricarda Funk ist ein wenig zwiegespalten, wenn sie an das kommende Wochenende denkt. Natürlich freut sie sich riesig auf den Heimweltcup auf dem Augsburger Eiskanal, zu dem vom 12. bis 14. Juni (Infos und Zeitplan hier) rund 250 Slalomkanut*innen antreten werden. „Dass Freunde und Familie bei einem Weltcup vor Ort sind, passiert ja nur in der Heimat, und das genieße ich sehr“, sagt die Einerkajak-Olympiasiegerin von Tokio. Aber dass alle immer von Heimvorteil sprechen, behagt ihr nicht uneingeschränkt. „Der Druck wird dadurch nicht weniger, denn alle erwarten Bestleistungen, wenn man zu Hause antritt. Doch auch wenn es ein Vorteil ist, auf der Bahn Rennen zu fahren, auf der man täglich trainiert, so weiß man auch genau, was an welcher Stelle schief gehen kann. Der Kopf muss also auf jeden Fall mitspielen“, sagt die 34-Jährige, die im vergangenen Jahr intensiv erfuhr, was es bedeutet, wenn der mentale Stress auf ungesunde Art Grenzen sprengt.

In einem emotionalen Post auf ihren Social-Media-Kanälen hatte Ricarda vor einigen Wochen eine Art verbalen Schlussstrich unter eine Phase ihres Lebens gezogen, in der Selbstzweifel einen Transformationsprozess in Gang gesetzt hatten. „Es fühlt sich gut an, wenn Kopf, Herz und Bauch Freunde sind. Ein Gefühl, das ich letztes Jahr vermisst hatte“, schrieb sie. Im Gespräch mit dem DOSB erläutert die Sportsoldatin vom KSV Bad Kreuznach, was sich hinter dieser Botschaft verbirgt. „Nach meinem Olympiasieg 2021 in Tokio bin ich sofort in die Vorbereitung auf die Spiele in Paris eingestiegen. Ich habe keine Pausen gemacht, sondern war total darauf fixiert, in Paris meinen Erfolg zu bestätigen“, sagt sie. Als das wegen eines Fahrfehlers kurz vor Schluss, der sie auf Rang elf zurückwarf, misslungen war, fiel die Spitzenathletin in das berüchtigte Post-Olympia-Loch. „Nach Paris war eine Leere in mir, ich wusste nicht mehr, wohin ich wollte und warum ich das Ganze überhaupt noch mache“, sagt sie. Der Kopf habe all das infrage gestellt, was sie sich mit ihrem Herz für den Leistungssport erarbeitet hatte.

Im vergangenen Jahr erwog Ricarda sogar ein Karriereende

In dieser Zeit erwog Ricarda sogar, die aktive Karriere zu beenden. „Ich habe wirklich sehr hart mit mir gekämpft“, sagt sie. Rückblickend sei sie allerdings dankbar für diese Phase. „Es ist nicht so, dass ich das unbedingt gebraucht hätte, aber es hat geholfen, um Muster aufzubrechen und Dinge in Bewegung zu setzen. Menschen brauchen Balance. Mein Mobilé hing unfassbar schief, das musste ich justieren. Ich schaffe mir jetzt Raum für Dinge, zu denen ich früher konsequent Nein gesagt habe.“ So habe sie mit der Hilfe von Freunden, Familie und der Sportpsychologie ein neues Mindset erarbeitet, das darauf abzielt, durch mehr Erholung und das Zulassen von Genuss eine bessere Balance zwischen An- und Entspannung zu finden. „Ich habe im Training einiges verändert, setzte vermehrt auf Regeneration. Ich hoffe, dass ich von dem maßlosen Getriebensein auf der Jagd nach Medaillen zu einem ausgewogeneren Umgang mit mir und meinen Zielen finde. Am Ende ist das gesünder, als immer nur den nächsten Erfolg im Blick zu haben, denn dieses Hamsterrad hat sich nicht gut angefühlt“, sagt sie.

Was im Umkehrschluss natürlich nicht bedeutet, dass sie fortan ambitionslos in ihre Wettkämpfe starten würde. „Natürlich möchte ich auch weiterhin Rennen gewinnen. Aber mein wichtigstes Ziel ist es, an den Start zu gehen, völlig in der Sache aufzugehen und einen Flow zu erleben. Dann damit zufrieden zu sein, was auch immer herauskommt, wäre ein Gefühl, das ich genießen würde. Ich glaube, dass man leichter über sich hinauswachsen kann, wenn man komplett frei im Kopf ist.“ So offen über ihre psychischen Belastungen zu sprechen, sei ihr nicht schwer gefallen. „Höhen und Tiefen gehören gleichermaßen zum Sport dazu, es ist nicht immer Glanz und Gloria. Und ich finde es wichtig, dass wir darüber reden“, sagt sie, wohlwissend, dass die Hürde, sich dahingehend zu öffnen, für manche noch immer zu hoch ist. „Das sollte so nicht sein. Das psychologische Element wird im Leistungssport noch immer zu häufig unterschätzt, obwohl es auf höchstem Niveau unabdingbar ist, sich damit auseinanderzusetzen.“

An die Olympischen Spiele 2028 denkt sie noch gar nicht

Für Ricarda bedeutet die neue Herangehensweise, nur noch in kleinen Schritten vorauszuplanen. „Immer nur groß zu denken hat mich erdrückt, dadurch war ich emotional so unglaublich erschöpft. Mir tut es gut, einfach nur im Moment zu leben. Mein Antrieb ist die Liebe und Leidenschaft für den Sport“, sagt sie. An die nächsten Olympischen Spiele, die in zwei Jahren in Los Angeles anstehen, denke sie deshalb noch gar nicht, auch wenn sie unter den fünf Ringen gern einmal erleben würde, wie sich Erfolg und Erlebnis paaren. „Ich habe es ja leider zerstückelt erlebt. In Tokio habe ich Gold gewonnen, aber es durften wegen Corona keine Zuschauer dabei sein. In Paris war die Atmosphäre unglaublich, aber ich hatte nicht den erhofften Erfolg. Es wäre schon schön, wenn ich noch einmal beides gemeinsam haben könnte“, sagt sie.

In diesem Jahr steht sportlich die WM in Oklahoma City im Fokus, die vom 20. bis 25. Juli angesetzt ist. Im Mai war das Nationalteam für zwei Wochen in den USA vor Ort, um sich mit den Begebenheiten vertraut zu machen. „Die Strecke war komplett neu für mich, was ungewöhnlich ist. Meist kehrt man im Lauf seiner Karriere immer wieder an dieselben Orte zurück. Umso mehr habe ich es genossen, meinen Horizont zu erweitern. Ich habe mich in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt“, sagt Ricarda, die sich wünscht, dass dem Saisonhöhepunkt mehr Wertschätzung entgegengebracht würde. „Olympische Spiele sind für unsere Sportart die einzige Chance, mal von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Alles, was zwischen den Spielen passiert, ist ein anderes Game, da wird man kaum gesehen, obwohl eine WM für uns fast so wertvoll ist wie Olympia“, sagt die viermalige Weltmeisterin.