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Was ein Sieg bei Olympischen Jugendspielen für eine Sportlerkarriere bedeuten kann

Ein Boxer, der in den Seilen hängt, hat in der Regel ein Problem. Es sei denn, er tut dies abseits von Training oder Wettkampf, so wie Peter Kadiru an diesem Nachmittag in der Sporthalle des Hamburger Boxverbands. Gerade hat der Schwergewichtsprofi ein Sechs-Runden-Sparring mit Ammar Abduljabar, Olympiateilnehmer von Tokio 2021, hinter sich gebracht, der Schweiß rinnt ihm über Gesicht und Hals. Um sich zu lockern, fläzt der 29-Jährige sich in die Ringseile. Aber eine lange Erholungspause braucht er nicht, denn die Bedeutung Olympischer Jugendspiele, über die er mit dem DOSB sprechen soll, ist ihm so wichtig, dass er sofort ins Gespräch hineinspringt.

„Die Goldmedaille bei den Olympischen Jugendspielen steht bei mir bis heute ganz weit oben. Es war eine sehr besondere Zeit, aus der ich sehr viel gelernt und eine Energie mitgenommen habe, die mich bis heute trägt“, sagt er mit Blick auf den Titel, der seine Karriere früh geprägt hat. Am 27. August 2014, dem letzten Wettkampftag der Titelkämpfe von Nanjing (China), gewann der in Hamburg geborene Sohn ghanaischer Eltern als 17-Jähriger das Finale der Superschwergewichtsklasse gegen Darmani Rock. Und er gewann es nicht einfach nur, er führte den ein Jahr älteren US-Amerikaner derart vor, dass alle fünf Punktrichter jede der drei Runden für Kadiru werteten.

Verlorenes WM-Finale war Antrieb für die Jugendspiele

Um zu verstehen, was ihm dieser Triumph bis heute bedeutet, muss man wissen, dass sich die beiden Kontrahenten bereits rund vier Monate zuvor bei der Junioren-WM in Bulgarien im Finale begegnet waren. Damals siegte Rock, umstritten zwar, aber er reiste als Weltmeister zu den Jugendspielen an. „Ich war damals zunächst mit der Silbermedaille zufrieden, weil ich bis dahin international noch keine Titel gewonnen hatte“, erinnert sich Peter Kadiru. Am Abend nach dem WM-Finale jedoch traf er im Teamhotel seinen Bezwinger, der betrunken mit einer Wodkaflasche im Arm auf dem Boden lag und nur mit tatkräftiger Unterstützung seines Teams auf sein Zimmer gebracht werden konnte. „Da habe ich gedacht: Gegen so einen habe ich verloren? Ich war mehrere Monate wütend über mich selbst, und dieses Gefühl hat mich angetrieben, vor den Jugendspielen so hart zu trainieren wie noch nie!“

Zu jener Zeit lebte der schon damals 1,94 Meter große und mehr als 100 Kilogramm schwere Athlet am Internat des Sportgymnasiums Schwerin, trainierte beim vor einem Jahr verstorbenen Bundesstützpunktleiter Michael Timm und seinem heutigen Cheftrainer Christian Morales. „Herr Morales hat sich schon damals extrem um mich gekümmert“, sagt er rückblickend. Weil die Vorbereitung auf die Spiele in China in die Sommerferien fiel und das Internat geschlossen war, lebte der Sportler bei Morales und dessen Familie. „Dafür bin ich bis heute dankbar, denn ich weiß nicht, wie ich die Vorbereitung sonst überstanden hätte“, sagt er.

Vor allem die Mensa beeindruckte Peter

Nie zuvor war der in einfachen Verhältnissen im Hamburger Stadtteil Altona aufgewachsene Faustkämpfer in China gewesen. Der Trip nach Nanjing war für ihn deshalb viel mehr als eine sportliche Dienstreise. „Ich bin bis heute nicht so der Typ, der von sich aus viel herumreist. Deshalb weiß ich es sehr zu schätzen, was ich durch meinen Sport von der Welt sehen durfte. Als 17-Jähriger konnte ich es noch nicht so richtig einordnen. Ich dachte nur: Digger, China! Das ist echt krass, dass ich das erleben darf!“ Die geschichtsträchtige Stadt Nanjing gefiel ihm zwar nur mäßig, dafür genoss er das Leben im Olympischen Dorf, in dem rund 3.800 Aktive untergebracht waren, in allen Facetten. „Es war ein prägendes Erlebnis, mit so vielen Athleten aus der ganzen Welt zusammen zu sein. Vor allem die Mensa war unglaublich, dort gab es wirklich alles, was ich mir vorstellen konnte“, sagt er.

Das Team Deutschland war mit 84 Athletinnen und Athleten nach China gereist, die allermeisten kannte Peter Kadiru vorher nicht. „Ich habe mir mein Zimmer mit zwei Taekwondo-Kämpfern geteilt. Aber auf unserem Flur war auch das weibliche Basketballteam. Es war total spannend und eine tolle Atmosphäre“, sagt er. Weil sein Finalkampf am letzten Wettkampftag angesetzt war, konnte praktisch das gesamte Team in der Halle anfeuern. Vor Kadiru hatte lediglich der Hamburger Einer-Ruderer Tim Ole Naske Gold für Deutschland gewinnen können. „Insofern war ich die letzte Hoffnung, und alle waren dabei, um mich zu unterstützen. Das hat mir so viel zusätzliche Energie gegeben! In dem Moment habe ich gespürt, was es wirklich bedeutet, Teil von Team Deutschland zu sein“, sagt er.

Eine Sportart auf der Erfolgswelle

Dass sich aus den vereinzelten Surf-Spots, wie sie an Stromschnellen am Eisbach in München oder an der Leinewelle in Hannover seit einigen Jahren zu finden sind, eine eigene leistungssportliche Kategorie und sogar eine internationale Bewegung entwickelt, hätten wohl selbst die Ambitioniertesten in der Rapid-Surf-Community nicht für möglich gehalten. Doch was 2019 bei der Premiere der Deutschen Meisterschaft (DM) im Rapid Surfen begann, bei den diesjährigen Finals in Hannover seinen bisher größten Erfolg in Deutschland feierte und in dieser Woche in der ersten Rapid-Surf-Europameisterschaft in der Schweiz seinen Höhepunkt findet, ist eben jene unerwartete Entwicklung.

26 Athlet*innen entsendet der Deutsche Wellenreitverband (DWV) zur historischen Premiere nach Ebikon bei Luzern. Darunter auch Junior*innen, die, so berichtet es Michael Zirlewagen (51), Präsident des DWV, „bei der Entwicklung der Sportart eine ganz besondere Rolle spielen“. Aufgrund der noch kleinen Strukturen und des großen Potenzials des Rapid Surfens sei es von enormer Bedeutung, die Jugendlichen mitzudenken. So fanden auch im Rahmen der Finals in Hannover neben der Rapid-Surf-DM auch die Junior*innen-Wettkämpfe vor großem Publikum statt. Die Premiere des Rapid Surfens bei den Finals in Hannover war die bisher größte Bühne der noch jungen, dynamischen Sportart. Die Venue an der Leinewelle in der Altstadt war sehr gut besucht und sorgte mit täglich fast 10.000 Besucher*innen für einen Rekord im Surfsport. Die Wettkämpfe wurden außerdem tausendfach gestreamt und auf den Social-Media-Plattformen geteilt und gefeiert. 

„Nachdem Rapid Surfen bei den Finals in Hannover erstmals dabei war und dort viele Zuschauer vor Ort und auch vor den Fernsehern begeistert hat, ist diese Europameisterschaft ein weiterer großer Meilenstein für unseren Sport“, berichtet Rapid-Surferin Lea Sasse (17). Sie surfte sich auf der Leinewelle in der Kategorie Open Women auf Platz vier und tritt nun auch bei der EM in Ebikon an. Dass sie bei der Premiere in der Schweiz starten darf, bedeute ihr viel und sie freue sich sehr darauf, „in der Kategorie Junior Girls (U18) gegen die besten Athletinnen Europas anzutreten, mich mit ihnen zu messen und zu zeigen, was ich kann.“ Aufgrund der starken Konkurrenz aus Ländern wie Österreich und der Schweiz erwartet Lea einen spannenden Wettkampf. Dennoch ist ihr klares Ziel: „eine Medaille für Deutschland zu holen.“ 

„Ich habe früh gewusst: Wenn sie es sagt, dann wird es schon stimmen“

Liebe Kathrin!

Vielleicht wunderst du dich, auf diesem Weg von mir ein Feedback zu bekommen, denn eigentlich ist es überhaupt nicht notwendig, dies schriftlich zu machen. Wir können schließlich über alles offen sprechen und tun dies auch immer wieder. Aber als die Anfrage des DOSB kam, ob ich bereit wäre, anlässlich des „Thanks Coach Days“ einen offenen Brief an dich zu verfassen, musste ich nicht lange überlegen, um zuzusagen. Ich finde es schön und wichtig, dass alle, die diese Zeilen lesen – ob aus unserer Trainingsgruppe oder aus dem Team Deutschland, ob Sportfans oder Vereinsmitglieder – erfahren, welche Rolle du für meine Karriere spielst.

Wir arbeiten noch gar nicht so lang zusammen. Dennoch bin ich immer wieder geflasht davon, wie schnell wir ein Vertrauensverhältnis entwickelt haben, das die Grundlage dafür legt, dass ich sportlich in dieser Saison große Schritte nach vorn gehen konnte. Als ich mich im vergangenen Winter zum Vereinswechsel entschlossen habe und gemeinsam mit meinem Bruder Matti zum Probetraining bei dir in Frankfurt kam, war für mich nach nur einer Einheit bei dir klar: Das mache ich!

Warum? Weil du eine Kompetenz ausgestrahlt hast, die mir genau das vermittelt hat, was ich gesucht habe. Und diese Kompetenz erlebe ich seitdem in jeder einzelnen Trainingseinheit. Ich bekomme, wenn ich es möchte, nach jedem Wurf ein Feedback, das mir ermöglicht, den nächsten Wurf ein kleines bisschen besser umzusetzen. Du untermauerst deine Anmerkungen mit belastbaren Daten, und auch wenn ich manchmal nur 30 Prozent von dem, was du sagst, komplett durchschaue, ist da dieses totale Vertrauen, das ich in deine Expertise habe, das mich deine Anregungen stets mit einem positiven Gefühl aufgreifen lässt.

Ich weiß, liebe Kathrin, dass es nicht immer einfach ist, mit mir umzugehen. Ich brauche manchmal den sprichwörtlichen Tritt in den Hintern, wenn mir das Gefühl dafür fehlt, in der notwendigen Form zu sein, um die von dir angeregten Dinge umzusetzen. In diesen Momenten gelingt es dir, mir aufzuzeigen, dass die Kurve nach oben zeigt. Und immer, wenn du das behauptet hast, ist es auch so gekommen. Ich glaube, dass es normal ist, einige Monate der gemeinsamen Arbeit zu brauchen, um Vertrauen zu fassen. Bei dir habe ich allerdings schon sehr früh gewusst: Wenn sie es sagt, wird es schon stimmen.