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„Die Gier, unbedingt Handballspielerin werden zu wollen, wollen wir wecken“

Im September 2025 übernahm Heike Ahlgrimm im Deutschen Handballbund (DHB) die Position der Chef-Bundestrainerin für den weiblichen Nachwuchs. Ein gutes Jahr später ist die 51-Jährige Teil eines sehr interessanten und zukunftsweisenden Projekts: Vier Bundesstützpunkte möchte der DHB in den kommenden Jahren für seine weiblichen Talente installieren, um die Ausbildung zu verstetigen und den Besten ihrer Jahrgänge optimale Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Im Gespräch mit dem DOSB erläutert die gebürtige Leipzigerin, die von 2012 bis 2014 bei Bayer Leverkusen und anschließend zehn Jahre in Bensheim/Auerbach als Cheftrainerin aktiv war, welche Bedeutung dieses Projekt für den Frauen-Handball in Deutschland haben kann.

DOSB: Heike, 2027 werden in Leipzig und Stuttgart die ersten beiden Bundesstützpunkte im weiblichen Bereich ihre Arbeit aufnehmen. Warum ist der DHB so lange ohne diese ausgekommen?

Heike Ahlgrimm: Die Idee gibt es tatsächlich schon lange, es hat aber immer an der Umsetzung gehapert. Natürlich könnte man sagen: Der weibliche Nachwuchs ist auch ohne Bundesstützpunkte erfolgreich. Dennoch merken wir immer wieder, dass wir die Ausbildung derart verbreitern müssen, dass wir unserem Nachwuchs die besten Möglichkeiten bieten können, um es flächendeckend ganz nach oben zu schaffen. Das, was dem A-Nationalteam mit dem Gewinn der Silbermedaille bei der WM im vergangenen Jahr gelungen ist, wollen wir regelmäßig ermöglichen, und dafür braucht es konzentrierte Arbeit an zentralen Stützpunkten. Ich möchte ausdrücklich sagen, dass es im weiblichen Bereich viele kleine Vereine gibt, die eine tolle Arbeit leisten. Aber sie stoßen an Grenzen, und ohne es despektierlich zu meinen: In jedem Verein gibt es ein Sternchen, das unterfordert ist und eine andere Form der Entwicklungsmöglichkeit braucht. Die wollen wir mit den Bundesstützpunkten bieten.

Im männlichen Nachwuchs wird gar nicht mit Bundesstützpunkten gearbeitet. Warum nicht? Wie funktioniert das Nachwuchssystem dort?

Dort sind viele Bundesligavereine über ihre Nachwuchsleistungszentren so gut aufgestellt, dass es keine zentralen Stützpunkte braucht. Sie haben einen sehr guten Unterbau und finanzielle Möglichkeiten, die es im weiblichen Bereich leider noch nicht gibt. Dort fließen die finanziellen Mittel fast ausschließlich in die Bundesligamannschaften. Das ist im männlichen Bereich einfach anders.

Nach welchen Kriterien wurden die Standorte festgelegt, und wann kommen im Norden und Westen noch Bundesstützpunkte dazu?

Unser Ziel ist, vier Bundesstützpunkte aufzubauen. Wir haben uns auch im europäischen Ausland umgeschaut, wo es in vielen Nationen wie beispielsweise den Niederlanden nur einen zentralen Standort gibt, aber dafür ist Deutschland einfach zu groß. Deswegen streben wir eine möglichst optimale regionale Abdeckung an. Wichtig ist, dass die Wege für die Spielerinnen nicht allzu lang werden. Stuttgart ist ein toller Standort, weil es im Süden bislang noch keine vergleichbaren Strukturen im Nachwuchsbereich gibt. Leipzig bietet eine gute Infrastruktur. Im Westen wird wahrscheinlich Dortmund der Standort sein, dort soll mittelfristig das DHB-Campus-Konzept realisiert werden. Im Norden wird es ebenfalls eine große Stadt werden. Einen genauen Zeitplan, bis wann die vier Bundesstützpunkte betriebsbereit sein werden, haben wir noch nicht. Ich bin vor allem froh, dass es jetzt endlich in Leipzig und Stuttgart losgeht. Es ist ein Projekt, für das wir Geduld und Ausdauer benötigen, aber von dessen Erfolg ich überzeugt bin.

Der weibliche Bereich hat sich zuletzt schon sehr erfolgreich gezeigt. Die Frauen mit Silber bei der Heim-WM im vergangenen Jahr, die Nachwuchsjahrgänge 2006 und 2007mit dem Sieg bei EM und WM. Was kann und was muss sich durch das Bundesstützpunkt-System trotzdem noch verbessern?

Ganz klar: die individuelle Ausbildung! Wenn wir uns mit den im Frauen-Handball führenden Nationen vergleichen, dann sehen wir, dass es oftmals individuelle Klasse ist, mit deren Hilfe Spiele entschieden werden. Deshalb wollen wir unseren Spielerinnen in der Ausbildung alle Skills mitgeben, die es braucht, um auf höchstem Niveau mithalten zu können, und das geht am besten über eine starke Gruppe, an der man sich orientieren und von der man sich anspornen und inspirieren lassen kann. Nur weil wir gerade durchaus erfolgreich sind, dürfen wir nicht den Fehler machen und glauben, dass das so weitergeht. Gerade im Erfolg muss man sich weiterentwickeln und noch viel härter arbeiten, um das Niveau auch halten und bestenfalls ausbauen zu können. Wenn uns das gelingt, dann können wir dauerhaft auch mit Norwegen oder Dänemark mithalten.

Welche Bereiche der Förderung muss ein Bundesstützpunkt abdecken, was wird dort angeboten?

Unser Ziel ist es, ein Rundum-Sorglos-Paket zu schnüren. Dieses beinhaltet Handballtraining bei einem hauptamtlich beschäftigten Coach auf höchstem Niveau. Wir begleiten die Spielerinnen unter der Leitung unserer Verbandspsychologin Katja Schülke im mentalen Bereich. Es gibt umfassende medizinische und physiotherapeutische Betreuung, dazu umfangreiches Athletiktraining, das durch unseren Bundestrainer Athletik, Dr. Simon Overkamp, gesteuert wird. Außerdem sorgt die Kooperation mit Eliteschulen des Sports vor Ort dafür, dass die Spielerinnen den Spagat zwischen Schule und Spitzensport – mit bis zu acht Trainingseinheiten in der Woche und dank der Kooperation eben auch vormittags – bestmöglich bewältigen können, denn selbstverständlich ist uns die schulische Ausbildung ein wichtiges Anliegen.

An welche Altersklasse richten sich die Angebote, und was bedeutet dieser Schritt für die Talente, die ihren Lebensmittelpunkt an die Stützpunkte verlegen sollen?

Wir starten mit den Jahrgängen 2010 und 2011 und wollen mittelfristig an jedem Standort 18 bis 20 Spielerinnen betreuen. Diese ziehen an den Stützpunkten ins Internat, trainieren dort von montags bis donnerstags, gehen die ganze Woche über dort zur Schule, reisen dann aber am Freitagmittag nach Hause zurück und können dort für ihre Heimatvereine spielen. Das ist uns sehr wichtig, um die Vereine an der Stelle auch für ihre Ausbildung zu belohnen. Es kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem die Talente zu großen Clubs wechseln, aber sie sollen dies ganz bewusst nicht sofort tun müssen. Im Internat lernen sie aber bereits, ihr Leben selbst zu organisieren.

Team D-Athlet*innen für Dakar 2026 nominiert

Der DOSB hat am heutigen Dienstag (15. September) in seiner Nominierungssitzung 50 junge Athlet*innen offiziell für das Team Deutschland nominiert, um bei den Olympischen Jugendspielen Dakar 2026 an den Start zu gehen. Team Deutschland wird bei den Olympischen Jugendspielen vom 31. Oktober bis 13. November 2026 in 17 Sportarten vertreten sein. Die Athlet*innen sind zwischen 14 und 17 Jahre alt und gehören zu den vielversprechendsten Nachwuchssportler*innen Deutschlands. 

Die Olympischen Jugendsommerspiele Dakar 2026 markieren einen historischen Meilenstein für die Olympische Bewegung und das Internationale Olympische Committee (IOC). Erstmals wird eine olympische Veranstaltung auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen. Wettkampfstätten befinden sich in der senegalesischen Hauptstadt Dakar sowie in den Städten Diamniadio und Saly.

„Ich mag es am liebsten, wenn die Rennen hart sind“

DOSB: Franziska, welchen Stellenwert hat die WM für dich in dieser an Höhepunkten reichen Saison?

Franziska Koch: Obwohl ich bereits eine tolle Saison hatte, freue ich mich sehr auf die WM. Sie hat sportlich einen hohen Stellenwert für mich.

Du bist für alle drei Wettbewerbe nominiert. Haben alle die gleiche Priorität oder wie priorisierst du?

Einzelzeitfahren und Straßenrennen haben die gleiche Priorität, auf beiden liegt mein klarer Fokus. In der Mixedstaffel möchte ich natürlich auch alles geben. Dort zählt aber vorrangig die Leistung des gesamten Teams. Wir haben in der Vergangenheit schon gezeigt, dass wir gemeinsam zu großartigen Leistungen imstande sind. Wenn mein Fokus nicht auch auf dem Teamevent liegen würde, dann dürfte ich gar nicht an den Start gehen.

Auf Rundfahrten seid ihr es gewohnt, jeden Tag volle Leistung abzurufen. Wie steuert man die Belastung innerhalb einer Woche mit „nur“ drei Rennen? Was verändert sich dadurch an der Vorbereitung und Herangehensweise?

Wir haben bei der WM tatsächlich ein paar Ruhetage, an denen man eine gute Balance finden muss zwischen dem Zulassen von Ruhe und Erholung, aber den Körper dennoch im Betriebsmodus zu halten, um startklar zu bleiben. An der Herangehensweise ändert sich nicht so viel, außer dass die Woche etwas entspannter angegangen werden kann als bei einer großen Rundfahrt.

Worin liegt für dich der Unterschied, für Deutschland anstatt für dein Team FDJ United-Suez anzutreten?

Man muss mehr packen, wenn man fürs Nationalteam antritt! Ich musste meine Räder, meine Helme, auch meine Energieregel selbst einpacken, das erledigt normalerweise das Team für mich. Und ich arbeite jetzt mit Menschen zusammen, die ich im Verlauf einer Saison nicht so häufig sehe. Aber das läuft sehr gut, wir haben eine tolle Betreuung. Ich starte sehr gern für Deutschland!

Was hat der Wechsel des Teams zu dieser Saison für dich bewirkt?

Er hat mir sehr gut getan. Ich habe einen neuen Input gebraucht, den ich bekommen habe. Ich habe einen neuen Trainer vom Team gestellt bekommen, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite. Der Spaß an der Arbeit ist groß, dieser Tapetenwechsel war sehr wichtig für mich. Eine glückliche Athletin ist eine gute Athletin.

Der Sieg bei Paris – Roubaix in diesem Jahr als erste Deutsche bei diesem prestigeträchtigen Rennen hat dich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht. Welche Reaktionen darauf haben dich besonders gefreut und was hat dieser Sieg für dich in Gang gesetzt?

Dieser Sieg hat mir einiges mehr an Aufmerksamkeit und Bekanntheit beschert. Es ist sehr cool, wenn man zum Beispiel am Flughafen um ein gemeinsames Foto gebeten wird. Das zeigt mir, welchen Einfluss man auf die Fans haben kann, und dafür bin ich sehr dankbar, weil ich es bislang nicht so kannte.

Du hast oft erwähnt, welche Rolle deine Eltern für deine Karriere gespielt haben und immer noch spielen. Wie hat sich diese Beziehung im Verlauf der vergangenen Jahre verändert?

Die Beziehung zu meinen Eltern ist immer noch super, aber wenn man professionell unterwegs ist, ist es normal, dass ihr Einfluss abnimmt. Mein Vater hat lange mein Training geleitet und wir sind als Familie zu den Rennen gefahren. Dass die Eltern immer dabei sind, hat sich geändert, aber ich kriege immer noch Hinweise oder Tipps von meinem Vater mit auf den Weg, und das finde ich sehr schön.