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Minijobs im Sport erhalten und Ehrenamt wertschätzen

Die Reform des Alterssicherungssystems gehört zu den wichtigsten politischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Angesichts des demografischen Wandels begrüßt der DOSB, dass die Bundesregierung die notwendigen Reformschritte angeht.

Mit Sorge blickt der DOSB jedoch auf die Empfehlung, Minijobs abzuschaffen. Im Sport sind derzeit rund 143.000 Menschen auf Minijob-Basis beschäftigt. Viele von ihnen engagieren sich als Trainer*innen oder Übungsleiter*innen neben einer bereits bestehenden Vollzeit- oder vollzeitnahen Beschäftigung. Hinzu kommen Studierende und Rentner*innen, die sich in Sportvereinen einbringen.

„Man will einfach dabei sein bei den Finals“

Auf was sie sich freuen können in der Landeshauptstadt Niedersachsens, das war am Mittwochmittag bereits zu erahnen. Das Organisationsteam der „Finals 2026“ hatte zur Vorstellung des Programms für das Multisportevent, das vom 23. bis 26. Juli Deutsche Meisterschaften in 24 Sportarten in der Metropolregion Hannover zusammenbringt, auf die Dachterrasse der Staatsoper geladen. Auf dem Platz vor dem in den Jahren 1845 bis 1852 im spätklassizistischen Stil errichteten Blickfang sollen die Wettkämpfe im Beachvolleyball, Sportklettern und Stabhochsprung ausgetragen werden, die ersten Aufbauarbeiten waren bereits im Gange. „Ich kann mir jetzt schon vorstellen, was für eine tolle Kulisse wir hier haben werden. Ich hoffe, dass sehr viele Menschen zum Zuschauen kommen werden. Die Vorfreude ist riesig“, sagte Louisa Lippmann, nachdem sie den Blick über den Opernplatz hatte schweifen lassen.

Die 31-Jährige zählt zur Gruppe der Athlet*innen, die den Finals den besonderen Kick verleihen. „Es ist eine Zugangsvoraussetzung für die Fachverbände, dass die Besten ihres Sports an den Start gehen. Hochwertiger Leistungssport ist der Kern unseres Produkts“, betonte Hagen Boßdorf, Gründer und Geschäftsführer der „Finals“, im Gespräch mit dem DOSB. Olympionik*innen sind, auch um die Massen an die Sportstätten oder vor die mobilen Endgeräte zu locken, unter den rund 4.000 angekündigten Aktiven die wichtigste Zutat für den Sommer-Leckerbissen des deutschen Sports. Dass Beachvolleyball mit Assen wie Louisa Lippmann bei der sechsten „Finals“-Ausgabe erstmals zum Programm zählt, freut Boßdorf besonders. Und die in Hamburg lebende und trainierende Herforderin, die 2024 in Paris an der Seite der mittlerweile zurückgetretenen Rio-Olympiasiegerin Laura Ludwig ihre ersten Olympischen Spiele erlebt hatte, teilt diese Freude. „Auch für uns ist es etwas Besonderes, an dieser Aufmerksamkeit, die das Format bekommt, teilhaben zu können“, sagte sie.

„Ein sportliches Großereignis, das die Stadt nachhaltig geprägt hat“

Fast scheint es, als habe Harry Bodmer auf dieses Gespräch 37 Jahre lang gewartet. Kaum ist die Begrüßung beendet, sprudeln die Erinnerungen aus ihm nur so heraus. Und sofort wird deutlich, welche Bedeutung ein Sportgroßereignis in der eigenen Heimat für das Leben eines Leistungssportlers haben kann. „Es war eine mega Veranstaltung und in meiner Karriere das Größte, was ich erleben durfte. Einen solchen Spirit, der rund um dieses Ereignis herrschte, habe ich bei keinem anderen Wettkampf gespürt“, sagt der 60-Jährige, der sich an viele Einzelheiten noch so deutlich erinnert, als wären sie gestern passiert. Die World Games 1989 in Karlsruhe haben, so muss man es sagen, Harry Bodmers Leben geprägt wie kaum etwas anderes.

An diesem Sonntag sind es noch genau drei Jahre, bis die 13. Ausgabe der Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten eröffnet wird. Diese soll vom 19. bis zum 29. Juli 2029 stattfinden, und erneut ist Karlsruhe Austragungsort. Erstmals kommt eine Stadt zum zweiten Mal als Gastgeber zum Zuge, und die „3 Years to go“-Schwelle nimmt der DOSB, der das Team Deutschland entsenden wird, zum Anlass, einmal auf die erste Ausgabe in der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs (aktuell knapp 310.000 Einwohner) zurückzuschauen. Dass Harry Bodmer diese Spiele in bester Erinnerung hat, ist kaum verwunderlich. Im Einzelwettbewerb des Kunstradfahrens konnte er mit dem Titelgewinn einen wichtigen Beitrag zum starken Abschneiden des Teams der damaligen BRD leisten, das mit 18 Gold-, 13 Silber-, und 27 Bronzemedaillen hinter Italien auf Rang zwei der Gesamtwertung landete und dabei die meisten Medaillen holen konnte.

Harry Bodmer bekam ein Glückwunsch-Telegramm von Kanzler Kohl

Von seinem Wettkampf ist Bodmer, der heute in Rottweil lebt, insbesondere die Atmosphäre in der Europahalle, die 1983 eingeweiht worden war und sechs Jahre später das Herz der Spiele darstellte, in bester Erinnerung geblieben. „Unsere Wettkämpfe im Einer und Zweier der Männer und Frauen und im Radball fanden am letzten Wochenende der Spiele statt und waren an allen drei Tagen ausverkauft. Die Stimmung war unglaublich, wir wurden total gefeiert und haben bis auf den Zweier der Frauen auch alle Wettbewerbe gewonnen“, sagt er. Der Hallenradsport war schon damals eine deutsche Domäne. 1988 hatte Harry Bodmer bei den Weltmeisterschaften in Ludwigshafen die Goldmedaille gewonnen und sich damit die Qualifikation für die World Games in Karlsruhe gesichert, bei denen seine Sportart erstmals ins Programm aufgenommen werden sollte. „Ich habe nach dem WM-Titel ein Glückwunsch-Telegramm von Bundeskanzler Helmut Kohl bekommen. Auch in Ludwigshafen war die Halle immer ausverkauft. Kunstradfahren hatte durchaus einen hohen Stellenwert im deutschen Sport“, erinnert er sich.

Während Harry Bodmer 1989 als 23-Jähriger bereits Aktivensprecher seiner Sportart war und sich mit den 1981 ins Leben gerufenen World Games durchaus intensiv befasst hatte, war die Nominierung für Antje Grundheber eine komplette Überraschung. Die Rettungsschwimmerin, die damals noch unter ihrem Geburtsnamen Antje Hole antrat, war 1988 bei den Europameisterschaften als 17-Jährige erstmals für einen internationalen Wettkampf nominiert worden. „Als ich dann die Qualifikation für die World Games geschafft habe, war das gigantisch. Ich stamme aus Sinzig, für mich waren diese Spiele wie eine andere Welt. Von den meisten Sportarten, die dort ausgetragen wurden, hatte ich vorher noch nie gehört“, sagt sie im Gespräch mit dem DOSB.

Auch die heute 55-Jährige, die in Ingolstadt eine Praxis für Kieferorthopädie führt, konnte sich mit einer Goldmedaille in der Siegerliste verewigen. Im kombinierten Schwimmen über 100 Meter (50 Meter Freistil, 15 Meter Tauchen, 35 Meter Puppenretten) siegte sie in Weltrekordzeit. „Ich war nie auf Titel fixiert, ich weiß nicht, wie viele Medaillen ich in meiner Karriere gewonnen habe“, sagt sie, „aber dieser World-Games-Titel war für mich natürlich etwas ganz Besonderes.“ Was Antje Grundheber rückblickend bedauert: Dass sie die besondere Atmosphäre der Spiele nicht intensiver ausgekostet hat. „Meine Schwester Birgit, die auch im Nationalteam war, hat das anders gemacht. Sie hat am Jugendlager teilgenommen, darauf habe ich verzichtet, weil unsere Wettkämpfe erst in der zweiten Woche der Spiele stattfanden und ich mich darauf konzentrieren wollte. Wenn ich heute noch einmal die Chance hätte, an World Games teilzunehmen, würde ich viel mehr links und rechts schauen. Als 18-Jährige habe ich daran aber gar nicht gedacht, ich war nur in der Halle oder im Hotel“, sagt sie.