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Klaus Steinbach: Ein Leben für den Sport

Es braucht nur wenige Minuten des Gesprächs, um zu verstehen, welchen Wert dieser Mann in das Gremium der Persönlichen Mitglieder einbringen kann. Die Einstiegsfrage war gewesen, was ihn im Alter von 72 Jahren noch immer motiviere, sich unermüdlich für den deutschen Sport zu engagieren. Aber schnell wird klar, dass Klaus Steinbach Fragen maximal als Stichwortgabe ansieht. In einer Gedankenschnelle, die viele 20-Jährige überfordern würde, ist er in die Tiefen und Untiefen der deutschen Sportpolitik eingetaucht. Launig und spannend erzählt er von den Bewerbungsprozessen um Olympische Spiele, die er in seinen Ämtern im Nationalen Olympischen Komitee (NOK) mitgestaltet hat, von seinen Erfolgen als aktiver Leistungssportler und was diese ihm für das Berufsleben mitgegeben haben. Und mit jeder weiteren Minute schärft sich das Bild eines Mannes, der mitgestalten möchte, weil er so vieles zu geben hat. Aber ohne sich dafür anbiedern zu müssen.

„Mir wird ganz bestimmt nicht langweilig“, sagt er mit Blick auf seine Posten im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe, die ihn 2018 in die Hall of Fame des deutschen Sports aufnahm, und als Vorstand der Sportstiftung des Saarlands, wo er seit vielen Jahren in Lebach lebt. Dass er die Zusammenarbeit im Gremium in der im Dezember ablaufenden Legislaturperiode als „sehr wenig und sehr sporadisch“ empfunden hat, trifft die Beobachtung, die auch andere Persönliche Mitglieder geschildert haben. Zumindest in seinem Fall liege das daran, dass er sich nicht aufdrängen wolle. „Ich glaube, ein Persönliches Mitglied erwartet, dass es gefragt wird, wenn es sich konkret einbringen soll. Es entspricht nicht meinem Stil, von außen als Besserwisser hineinzugrätschen. Aber wenn ich gefragt werde, bin ich immer bereit, meinen Rat dort zu geben, wo es einen Sinn und Mehrwert ergibt“, sagt er.

64 deutsche und acht Weltrekorde schwamm Klaus Steinbach

Zweifelsohne gäbe es ausreichend Anlässe, Klaus Steinbach zu kontaktieren, schließlich kann der aus Kleve am Niederrhein stammende Sportenthusiast aus drei unterschiedlichen Perspektiven auf das aktuelle Geschehen schauen. Die erste Perspektive ist die des ehemaligen Leistungssportlers, der 1972 bei den Olympischen Heimspielen in München Silber mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel gewann. 1975 kam über dieselbe Distanz WM-Gold dazu. Die Sprintstrecken im Kraul waren seine Paradedisziplin, aber auch in Rückenlage war er oft nicht zu bezwingen. Insgesamt fünf EM-Titel, 25 nationale Meistertitel, 64 deutsche, neun Europa- und acht Weltrekorde hatte Steinbach, der als erster Mensch die 100 Meter Freistil auf einer 25-Meter-Bahn unter 50 Sekunden absolvierte, bis zu seinem vom Boykott der Sommerspiele 1980 in Moskau beeinträchtigten Karriereende angehäuft.

„Ich bin als 15-Jähriger an das erste deutsche Sportinternat in Saarbrücken, die DSV-Schule „Max Ritter“, gegangen und habe es absolut genossen, alles für meinen Sport investieren zu können“, sagt er. Aus dieser Zeit habe er mitgenommen, wie wichtig es ist, die Athletinnen und Athleten im Sportsystem an die erste Stelle zu setzen. „Sie sind die goldene Spitze der Pyramide“, sagt er. Aus diesem Grund habe er sich auch so intensiv im Gutachterausschuss und im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe eingebracht. „Mir ist es sehr wichtig, dass wir uns intensiv darum kümmern, dass sich unsere Besten auf ihre sportliche und berufliche Karriere gleichermaßen voll konzentrieren können“, sagt er.

Dreimal war er Chef de Mission bei Olympischen Spielen

Der Weg in die Funktionärslaufbahn, die die zweite Perspektive darstellt, wurde Klaus Steinbach im Jahr 1981, kurz nach dem Ende der aktiven Karriere, geebnet. Auf Vorschlag von Willi Daume, dem mächtigsten Sportfunktionär in der deutschen Nachkriegsgeschichte, wurde ihm in Paris der Fair-Play-Preis der Unesco verliehen, aus den Händen der französischen Tennislegende Jean Borotra. „Ich wurde dadurch Persönliches Mitglied im NOK und bin damit wohl das dienstälteste Mitglied dieses Gremiums“, sagt er. Bei den Sommerspielen 2000 und 2004 und den Winterspielen 2006 führte Klaus Steinbach die deutsche Mannschaft als Chef de Mission an; 2002 war er bis zur Fusion von NOK und Deutschem Sportbund (DSB) zum DOSB im Mai 2006 NOK-Präsident.

„Das waren wirklich hochspannende Zeiten. 2003 war ich Mitglied der Evaluierungskommission für unsere Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele 2012. Wir hatten zwar Hamburg an erste Position gesetzt, aber dann wurde Leipzig gewählt. Deren Konzept enthielt viele Elemente, die heute gute Erfolgsaussichten hätten, wie die Nutzung bestehender Sportstätten und alternative Unterbringungsmöglichkeiten für die olympische Familie, aber auch die große Kompaktheit. Wir waren damit allerdings der Zeit voraus, im IOC hatte Leipzig wegen seiner geringen Größe aber leider wenig Chancen. Das tat damals sehr weh, aber man lernt daraus“, erinnert er sich.

Maccabiah in Kriegszeiten: Resilienz ist die wichtigste Fähigkeit

Mit wem man auch spricht dieser Tage über die anstehende Maccabiah, die Weltspiele für jüdische Sportler*innen, ein Wort fällt immer: Resilienz. Diese Fähigkeit, Krisen, Schicksalsschläge oder extreme Belastungen zu bewältigen und ohne dauerhafte Beeinträchtigung in das eigene seelische Gleichgewicht zurückzufinden, scheint in diesem besonderen Jahr der Austragung unerlässlich für alle Teilnehmenden zu sein. Die 22. Auflage, die wegen der schwierigen politischen Gesamtlage vom vergangenen auf dieses Jahr verschoben werden musste, steht weiterhin unter dem Motto „More than ever“, was das Grundverständnis dieses Großevents ausdrücken soll. Jetzt erst recht, und auch unter dem Eindruck des schwelenden Konflikts mit dem Iran, sollen Jüdinnen und Juden von diesem Dienstag an bis zum 14. Juli zusammenkommen, um bei größtmöglicher Sicherheit friedlich in den sportlichen Wettstreit zu treten.

In normalen Jahren sind es rund 10.000 Athlet*innen, die an der seit 1932 im Vierjahresturnus ausgetragenen Maccabiah teilnehmen. In diesem Jahr haben sich mehr als 5.000 Aktive aus 66 Nationen angekündigt, um in 32 Sportarten um Medaillen zu kämpfen. Makkabi Deutschland, nationaler Dachverband mit mehr als 8.000 Mitgliedern in 40 bundesweiten Ortsvereinen und Mitgliedsorganisation des DOSB, reist am 30. Juni mit einer aus 170 Personen bestehenden Delegation aus Duisburg, wo über dieses Wochenende das Pre-Camp stattfindet, nach Tel Aviv. Rund 120 davon sind Athlet*innen. Damit stellt Deutschland die größte Delegation Europas, was Alfred Goldenberg ganz besonders freut. „Das ist ein tolles Zeichen, das wir damit setzen können“, sagt der 46 Jahre alte Berliner, der im Präsidium von Makkabi Deutschland für den Sport zuständig ist und als Head of Delegation fungiert.

Der wichtigste Unterschied zu 2025, als die Veranstaltung wenige Wochen vor dem geplanten Start verschoben werden musste, sei die veränderte Sicherheitslage. „Der israelische Luftraum ist geöffnet, es gibt genug Airlines, die das Land anfliegen, und das ist für die Logistik fundamental wichtig“, sagt Goldenberg. Der Gaza-Krieg sei faktisch beendet, der Überfall der Hamas vom 7. Oktober 2023 ein weiteres Jahr her, die letzten Geiseln sind freigelassen worden. Dazu müsse man die grundsätzliche Einstellung der Israelis kennen. „Die Menschen dort sind es gewohnt, im Kriegszustand zu leben. Das Land war seit seiner Gründung 1948 nie befriedet, das Leben musste aber trotzdem immer weitergehen.  Also hat die Bevölkerung gelernt, damit umzugehen“, sagt er.

Eine historische Entscheidung – und was sie für Athlet*innen bedeutet

Für alle Mitglieder der weltweiten Sportfamilie, die Überraschungen lieben, dürfte der vergangene Mittwoch ein spannender Tag gewesen sein. Ich glaube, dass nicht viele mit dem gerechnet hatten, was Pau Gasol zum Ende der außerordentlichen Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne verkünden konnte. Der frühere NBA-Spieler und Superstar im Basketball, der unserer IOC-Athletenkommission vorsitzt, stellte das neue Vergütungsprogramm „Fit for the Future Olympian Grant“ vor. Und ich gebe gern zu, dass mich dieser Moment wirklich sehr bewegt hat. Wenn eine Forderung, die seit vielen Jahren seitens der Athletinnen und Athleten weltweit an das IOC herangetragen wurde, zur Realität wird, ist das schon ein Anlass, um einmal kurz innezuhalten und sich seiner historischen Bedeutung zu vergewissern.

Warum ich die Historie bemühe? Weil es das erste Mal ist, dass das IOC als Dachorganisation des Weltsports eine direkte Zahlung an diejenigen veranlasst, die es stets als den Mittelpunkt seines Wirkens bezeichnet. In vielen Gesprächen haben olympische Sportlerinnen und Sportler in den vergangenen Jahren den dringenden Wunsch an ihre gewählte Vertretung adressiert, an den durch ihr Zutun maßgeblich beeinflussten Einnahmen partizipieren zu können. Die Antwort, die wir genauso oft gegeben haben, dass das IOC rund 90 Prozent seiner Einnahmen wieder in den Sport investiert, damit möglichst viele am Erfolg der Olympischen Spiele teilhaben können, hat selten überzeugt. Diese Teilhabe als Cash auf dem eigenen Konto zu sehen – das war das wichtigste Anliegen für viele Athletinnen und Athleten weltweit.

Nun wird Cash fließen. „Fit for the Future Olympian Grant“ ermöglicht es allen Teilnehmenden an Olympischen Spielen, sechs Monate nach ihrer Teilnahme einen Zuschuss von 10.000 US-Dollar zu beantragen. Ausgezahlt wird er an alle, die sich keines Verstoßes gegen den Wertekodex schuldig gemacht haben. Mit rund 14.000 Antragsberechtigten pro Olympiade kalkuliert das IOC, das dafür 140 Millionen Dollar aus Rücklagen der Olympischen Stiftung verwendet. Die Stiftung wurde vom IOC mit der Unterstützung der Aktivitäten der Olympischen Bewegung betraut.