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Auf DOSB-Mission durch Afrika: Das abenteuerliche Berufsleben des Tobias Antoni

Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Dem Philosophen und Theologen Augustinus von Hippo, der im 4. Jahrhundert lehrte, wird dieses Zitat zugeschrieben, und wenn man es für bare Münze nimmt, dann ist Tobias Antoni ein Mensch, der ziemlich schnell liest. Die Liste der Länder, die der 31-Jährige in den vergangenen zwei Jahren bereist hat, kann sich jedenfalls sehen lassen. 2024 war er in Uganda, Kenia, Tansania und Burundi, 2025 kam Namibia dazu, in diesem Jahr waren es der Senegal, Südafrika und Simbabwe. Dennoch ist Tobias nicht das, was man klassisch unter einem Weltenbummler verstehen würde, denn die Tripps ins östliche und südliche Afrika hat er nicht in seinem Urlaub absolviert, sondern auf dienstlicher Mission für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Im Jahr 2022 war der Kölner, der an der Deutschen Sporthochschule in Köln ein Masterstudium in „International Sport Development and Politics“ gemacht hat, vom Dachverband Special Olympics Deutschland (SOD) zum DOSB gewechselt, um im Ressort Internationales unter der Leitung von Katrin Grafarend als Referent für Internationale Beziehungen unter anderem das Projekt „Inclusion through Sports“ zu übernehmen. Dessen wichtigstes Ziel ist es, die globale Inklusion von Menschen mit geistiger Behinderung durch gemeinsames Sporttreiben mit Nicht-Behinderten voranzutreiben.

Internationales Engagement wird von großen Sportnationen erwartet

Der DOSB, zu dessen Mitgliedsorganisationen SOD zählt, hat die Federführung dieses Projekts vor vier Jahren übernommen, um über sein starkes Netzwerk mit anderen Nationalen Olympischen Komitees den inklusiven Sport in den globalen Sportstrukturen zu etablieren. Sich in Auslandsprojekten dieser Art zu engagieren, ist für den Dachverband des deutschen Sports ein sehr wichtiges Themenfeld. Solidarität gilt als enorm relevanter Wert in der olympischen Bewegung. Internationales Engagement wird von großen Sportnationen, zu denen Deutschland zweifelsohne zählt, erwartet. Indem der DOSB international Verantwortung für Hilfsprojekte übernimmt, kann er wertvolle Beiträge zur weltweiten Sportentwicklung leisten.

Tobias Antoni hatte, als er zum DOSB kam, keine außergewöhnliche Verbindung zu Afrika. Zwar stammt seine Freundin aus Nigeria, und nach dem Abitur hatte er über den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst „weltwärts“ als assistierender Sportlehrer ein Jahr in Ghana gearbeitet, was ihn stark prägte. „Aber dass sich mein beruflicher Schwerpunkt in den vergangenen Jahren auf Afrika konzentrieren würde, war Zufall“, sagt er. Was er mitbrachte, war die notwendige Portion Abenteuerlust, die er angesichts seiner Erfahrungen für unerlässlich hält. „Wenn man grundsätzlich ein vorsichtiger Mensch ist, dann ist dieser Job sicherlich nicht das Richtige“, sagt er und grinst breit. Die Fähigkeit zum Improvisieren und der Langmut, sich von Widrigkeiten aller Art nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, seien wichtige Faktoren, um Projektarbeit dieser Ausprägung mit Erfolg und Freude zu verrichten.

Tobias setzt intensiv auf Einbindung lokalen Personals

Seine Hauptaufgabe vor Ort beschreibt Tobias als die des Projektmanagers. In Gruppen von 20 bis zu 50 Personen – im Schnitt sind es 40 – bietet er vier Tage dauernde Workshops an, in denen Menschen aus der Region zu Trainer*innen im Inklusionssport weitergebildet werden. Die direkte Zielgruppe sind Lehrer*innen, die mit rund 80 Prozent die deutlich größte Gruppe stellen, aber auch Trainer*innen und Verbandsvertreter*innen. Zum Abschluss eines jeden Workshops müssen die Prüflinge Mini-Events veranstalten, bei denen vorrangig Kinder und Jugendliche inklusiv miteinander Sport treiben. „Unser wichtigstes Ziel ist es, Menschen aus verschiedenen Sportarten und Lebensbereichen untereinander zu vernetzen, um ein regionales Netzwerk für den Inklusionssport zu knüpfen“, sagt Tobias. Seit dem Projektstart 2023 sind 650 Menschen zu entsprechenden Trainer*innen ausgebildet worden.

Dabei setzt Tobias intensiv auf die Einbindung lokalen Personals, das aus den jeweiligen NOKs oder von Special Olympics kommt. „Ich bringe viel Fachkompetenz mit, spreche aber nicht gut genug Französisch, um damit Kurse alleine leiten zu können. Und Englisch reicht oftmals auch nicht aus, weil insbesondere in ländlichen Regionen die Menschen, die wir schulen, oft lokale Sprachen sprechen. Da ist es unverzichtbar, Mitarbeitende zu haben, die die Sprache sprechen und sich mit den lokalen Gepflogenheiten auskennen“, sagt er. Zwar finden die Workshops oft in den Hauptstädten statt, aber um eine flächendeckende Verbreitung zu garantieren, gehen sie auch auf Tour durch das Land.

„Wir sind in der Lage, dem IOC ein sehr gutes Angebot zu machen“

DOSB: Herr Mronz, wie fällt das Fazit zur 146.-Session aus?

Michael Mronz: Die Session hat in unterschiedlichen Bereichen wichtige Weichen für die Zukunft der Olympischen Bewegung gestellt. Es war eine große Einigkeit innerhalb der olympischen Familie zu spüren. Das von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry initiierte Programm „Fit for the Future“ entfaltet bereits nach einem Jahr ihrer Amtszeit seine erste Wirkung. Die wichtigste Entscheidung war die Stärkung der politischen Neutralität des Sports. Es wurde deutlich gemacht, welch hohe Bedeutung die Autonomie des Sports hat. Der Sport ist ein eigenständiger, positiver Akteur mit Vorbildcharakter, der nicht als Ausputzer politischer Entwicklungen missbraucht werden darf. Aber auch die direkte finanzielle Unterstützung für alle Athletinnen und Athleten, die an den Spielen teilnehmen, ist ein wichtiger Schritt. Aus nationaler Sicht waren zudem die Entscheidungen, die den künftigen Bewerbungsprozess um Olympische Spiele betreffen, von besonderem Interesse. 

Was sind mit Blick auf die deutsche Olympiabewerbung die wichtigsten Änderungen?

Die Änderungen sind eine logische Weiterentwicklung der erfolgreichen Reformen, die unter dem heutigen IOC-Ehrenpräsidenten Thomas Bach umgesetzt wurden. Das IOC reagiert damit auf unterschiedliche Forderungen, die im Konsultationsprozess des vergangenen Jahres artikuliert wurden. Die IOC-Member wollen wieder stärker in den Auswahlprozess involviert werden, die Bewerber möglichst viel Planbarkeit, zeitliche Vorgaben und Transparenz. Ich persönlich finde, dass der neue Prozess die Grundlage dafür bildet, dass viele dieser Wünsche erfüllt werden können. Eine wichtige Neuerung ist dabei die Einführung einer zusätzlichen Dialogstufe. Auf den „Continuous Dialogue“ folgt jetzt der „Strategic Dialogue“. Diese strategische Dialogphase soll im Rahmen der Vergabe der Spiele 2036 erstmals im März 2027 beginnen und den Austausch zwischen dem IOC und interessierten Bewerbern weiter vertiefen, auch um eine möglichst hohe Passfähigkeit mit den IOC-Zielen zu schaffen. Ende 2028 soll – so die vorgestellten Planungen – dann der „Targeted Dialogue“ mit einem oder mehreren Bewerbern eröffnet werden.

Bedeutet die Tatsache, dass ein „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet werden kann, automatisch, dass es bei der IOC-Session zu einer Kampfabstimmung kommen wird?

Nein, nicht zwingend. Auch bislang war es möglich, dass das IOC den „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet. Und auch wenn sich mehrere Bewerber in dieser Dialogstufe befinden sollten, ist es möglich, dass am Ende der Session nur ein Kandidat vorgeschlagen wird.

IOC-Generalversammlung beschließt wichtige Neuerungen

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf seiner außerordentlichen Generalversammlung am Hauptsitz in Lausanne (Schweiz) am Mittwoch wichtige Neuerungen im Rahmen des „Fit for the Future“-Prozesses vorgestellt, die auch die Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 betreffen. Der französische Ex-Kanute Tony Estanguet, Chef des Organisationskomitees der Spiele von Paris 2024, bestätigte als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Olympic Games Delivery“, dass die Spiele 2036 im Jahr 2029 vergeben werden sollen. „Unsere Partner und Stakeholder hatten in vielen Gesprächen auf eine klare Zeitschiene gedrängt, die wir nun garantieren wollen“, sagte er.

Kirsty Coventry, Schwimm-Olympiasiegerin aus Simbabwe und seit einem Jahr als Nachfolgerin von Thomas Bach als IOC-Präsidentin im Amt, betonte in ihrer Eröffnungsrede, das IOC habe die Verantwortung, sich auf die Veränderungen der Gesellschaft einzustellen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten. „Der Moment, in dem man aufhört, sich weiterzuentwickeln, ist der Moment, in dem man zurückfällt. Der Fit-for-the-Future-Prozess ist unser Werkzeug, um die nötigen Weiterentwicklungen voranzutreiben“, sagte die 42-Jährige.

Um künftigen Bewerbern mehr Zeit für eine Weiterentwicklung und mehr Unterstützung durch das IOC zu ermöglichen, wird für anstehende Vergaben eine neue Ebene zwischen dem Continuous und dem Targeted Dialogue eingeführt. Im Continuous Dialogue, in dem sich der DOSB seit Ende November 2025 mit dem IOC befindet, finden regelmäßige Gespräche mit interessierten Kandidaten statt, die dem Austausch und der Optimierung der Konzepte dienen. Diesen soll im März 2027 der Strategic Dialogue ablösen, der Ende 2028 in den Targeted Dialogue übergeht, den das IOC eröffnet, wenn es mit einem oder mehreren Bewerbern ein Konzept für ein konkretes Jahr entwickeln möchte.

DOSB-Präsident Weikert begrüßt die “klare Zeitschiene”

„Damit geben wir potenziellen Gastgebern mehr Unterstützung und einen klaren Zeitplan und den IOC-Mitgliedern die von ihnen eingeforderte bessere Möglichkeit zur Mitsprache“, sagte die frühere kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, die im IOC die Future-Host-Kommission leitet. DOSB-Präsident Thomas Weikert sagte: „Wir begrüßen die Einführung einer klaren Zeitschiene für die Vergabe Olympischer Spiele, weil diese allen Kandidaten eine Orientierung für den weiteren Bewerbungsprozess geben wird.“

Bezüglich der Auswahl der Sportarten bei Olympischen Spielen wird mit Beginn der Sommerspiele in Brisbane (Australien) 2032 ein System eingeführt, das Geschlechtergleichheit, globale Anziehungskraft, Nachhaltigkeit und Kostenersparnis in den Vordergrund rückt. Damit können Sportarten in ihrer Gesamtheit, aber auch nur einzelne Disziplinen nachvollziehbarer und transparenter durch zukunftsträchtigere Kandidaten ersetzt werden. Fachverbände, deren Sportarten aus dem Programm gestrichen werden, werden künftig für einen weiteren olympischen Zyklus gefördert und können sich in der Folge um Wiederaufnahme bewerben.