Schulstraße 6, 09577 Niederwiesa

„Für uns steht im Vordergrund, dass die Spiele wieder nach Deutschland kommen“

Geschichte wurde geschrieben am Samstagnachmittag in Baden-Baden, und für alle Mitglieder unserer Athlet*innenkommission war es eine Ehre, Teil dieser Veranstaltung gewesen zu sein. Auch wenn ich dafür meinen Urlaub unterbrechen musste, bin ich froh und dankbar, die Auswahl Münchens als Bewerber um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 miterlebt zu haben. Für mich war dieser Tag im Kurhaus, das wir im Kreise der Athlet*innen als Ausrichtungsort für die Gala „Sportler des Jahres“ sehr schätzen, eine wunderbare Werbung für das, was wir in Deutschland schaffen können, wenn wir es gemeinsam angehen. Dieser Tag hatte so gar nichts von der Trockenheit einer deutschen Mitgliederversammlung, die Medienpräsenz war enorm, und mir hat das wieder einmal gezeigt, was für eine Strahlkraft das Thema Olympia entfesseln kann.

Oft wurde ich nach meiner persönlichen Präferenz gefragt oder danach, welches Konzept die Athlet*innen bevorzugt hätten. Dazu ein einheitliches Meinungsbild zu zeichnen, ist nicht möglich. Als es noch vier Kandidaten waren, hatten alle vier Konzepte ihre Befürworter*innen, und ich bin der Überzeugung, dass alle auch international Chancen gehabt hätten. Ich freue mich, dass wir nun einen klaren Kandidaten haben, mit dem der DOSB ins Rennen geht. Für uns Athlet*innen stand von Beginn des Prozesses im Vordergrund, dass Deutschland sich überhaupt bewirbt. Wir wollen die Spiele in unserem Land! Die Region, in der sie stattfinden, ist für uns nicht entscheidend. Es zählt zunächst, dass es gelingt, nach 1972 endlich wieder in unserem Land um Olympiamedaillen kämpfen zu dürfen. Es muss aber auch klar sein: Die Bewerbung soll den Spitzensport stärken und darf nicht von bestehenden Herausforderungen ablenken. Mögliche Spiele können und müssen notwendige Reformen beschleunigen und die Rahmenbedingungen für Athlet*innen verbessern. 

Zum ersten Mal würden dann auch Paralympische Spiele in Deutschland stattfinden. Seit sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) vor 25 Jahren in einem Grundsatzabkommen darüber geeinigt haben, dass die Region, die Olympische Spiele austragen will, auch die Paralympischen Spiele austragen muss, sind die beiden untrennbar aneinandergebunden. Wir finden das nicht nur richtig und wichtig, sondern sehen darin auch für unser Land die Chance, Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit durch die Spiele nachhaltig zukunftsfähig aufzustellen.

München setzt auf kompakte Spiele und das “One-Village-Konzept”

Das gilt auch für die Belange der olympischen Athlet*innen. München setzt auf kompakte Spiele, auf das „One Village“-Konzept, das so vielen Teilnehmenden wie möglich erleichtert, das Olympiafeeling zu erleben. Nach den Spielen von Paris 2024 wurde viel darüber gesprochen, wie sehr die Stadt involviert war und wie intensiv die Menschen daran teilhaben konnten, weil sich die Spiele in die Stadt eingefügt haben und nicht die Stadt sich den Spielen anpassen musste. Ähnliches Potenzial sehe ich auch in München. Die Stadt bietet einige ikonische Austragungsstätten, sie ist international nicht nur wegen der Spiele 1972, sondern auch wegen des Oktoberfests und des FC Bayern sehr bekannt. Bei den European Championships 2022 durfte ich selber erleben, wie begeisterungsfähig das Publikum sein und welchen Vibe ein solches Sportgroßevent in die Stadt bringen kann. Natürlich steht der Sport für uns Athlet*innen im Mittelpunkt, aber der Kontakt zur Bevölkerung ist ein ebenso wichtiger Aspekt, um das Gemeinschaftsgefühl, für das die Spiele stehen, erzeugen zu können. Ich bin sicher, dass in München eine großartige Atmosphäre herrschen wird.

Ohne jetzt Wasser ins Weißbier kippen zu wollen: Natürlich ist mir – und allen, die auf Heimspiele hoffen – klar, dass Baden-Baden nur der erste Schritt auf einem langen Weg war. Dass die Spiele nach München kommen, ist noch lange nicht gewiss. Es wird in den kommenden Jahren sehr viel Arbeit investiert werden müssen, um das Konzept international siegfähig zu gestalten. Aber wir sehen schon jetzt, was der nationale Auswahlprozess ausgelöst hat, welche Investitionen in den Sport angeschoben wurden, die ohne eine Bewerbung wahrscheinlich nicht in Gang gekommen wären. Die kommenden Jahre werden davon geprägt sein, dass wir gemeinsam Antworten auf die Fragen finden, was von Olympischen und Paralympischen Spielen bleiben soll für den Sport und für die Gesellschaft. Und auch, wie wir den Weg, der im äußersten Fall noch 18 Jahre dauern kann, ausgestalten, um ihn so gewinnbringend wie möglich zu beschreiten.  

Das Konzept: Deutschland mit München für Olympia

München geht für Deutschland ins Rennen um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Die außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB hat sich am 26. September in Baden-Baden für die bayerische Landeshauptstadt als nationalen Bewerber entschieden. Das Konzept setzt auf kompakte Spiele mit kurzen Wegen, die Nutzung bestehender Sportstätten und eine langfristige Wirkung für Stadt, Region und Land. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sollen zu einem großen Gemeinschaftserlebnis für München und ganz Deutschland werden. Sie sollen Deutschland und die Welt zusammenbringen, Tradition und Innovation verbinden und Menschen für den Sport begeistern. Die Leitidee des Konzepts lautet: Spiele mit Herz und Seele.

Der Olympiapark als Herzstück

München verfügt über eine langjährige Sporttradition, eine leistungsfähige (Sport-)Infrastruktur und mit dem Olympiapark über ein einzigartiges Erbe der Olympischen Spiele 1972. Der Olympiapark ist bis heute fest im Alltag der Münchner und Münchnerinnen verankert und soll auch bei den Spielen eine zentrale Rolle einnehmen. Eine Vielzahl der Wettbewerbe sollen daher dort stattfinden, u. a. Leichtathletik, 3x3-Basketball, Triathlon, Sportklettern und Gerätturnen.

Sport vor ikonischer Kulisse

Die Wettkämpfe finden zum Teil auch im Münchner Stadtgebiet und vor einzigartigen Kulissen statt. Dazu zählen das Schloss Nymphenburg (Dressurreiten), der Englische Garten (Vielseitigkeitsreiten) und der Odeonsplatz (Zielankunft Straßenrennen). München will damit die Olympischen und Paralympischen Spiele für die Menschen vor Ort erlebbar machen – und zugleich Bilder schaffen, die von Deutschland in die Welt getragen werden.

Ein Dorf, das bleibt

Das Olympische Dorf soll während der Spiele rund 16.000 Athletinnen und Athleten sowie dem Betreuerstab ein Zuhause bieten. Hinzu kommen Plätze für bis zu 3.000 Berichterstatterinnen und -erstatter. Das Dorf soll mehr sein als eine temporäre Unterkunft: ein Ort des Ankommens und der Begegnung. Aus dem Olympischen und Paralympischen Dorf soll im Anschluss an die Spiele ein klimaneutrales und barrierefreies Mehrgenerationenquartier für mehr als 10.000 Menschen entstehen. Die Entwicklung ist in die Stadtentwicklung im Münchner Nordosten eingebettet und soll dauerhaft neuen Wohnraum schaffen.

Nachhaltige und zirkuläre Spiele

Nachhaltigkeit soll von Beginn an in allen Bereichen der Planung berücksichtigt werden. Mit dem Projekt „Grünes München + Zirkuläre Spiele“ verfolgt München dabei die Vision, die ersten zirkulären Olympischen und Paralympischen Spiele der Welt auszurichten. Das bedeutet: Die Materialien, Gebäude und Infrastruktur sollen nach Möglichkeit weitergenutzt, wiederverwendet oder in neue Nutzung überführt werden. So soll möglichst wenig Abfall entstehen, die Ressourcen sollen im Kreislauf verbleiben.

Strahlkraft und Akzeptanz

München ist weltweit bekannt – als Sportmetropole mit dem ikonischen Olympiapark, der das Stadtbild prägt. Aber auch für seine Gastfreundschaft, sein Lebensgefühl und die einzigartige Verbindung von urbanem Leben, Kulturlandschaft und alpiner Natur. Auch die Bevölkerung hat sich klar zur Bewerbung bekannt. Beim Referendum im Oktober 2025 stimmten 66,4 Prozent für die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. Die Beteiligung lag bei 42 Prozent – die höchste Beteiligung, die bei einem Münchner Bürgerentscheid bzw. Referendum bis dahin erreicht wurde. Alle Informationen sind hier zu finden.

Alica Gebhardt ersetzt Elena Semechin in der Athlet*innenkommission

Alica Gebhardt ist das neue Mitglied in der Athlet*innenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Die 28 Jahre alte Berlinerin, die für die DLRG bei den World Games 2025 in Chengdu (China) zu Goldmedaillen in zwei Staffeln beigetragen hatte, wurde am Freitagnachmittag auf der Athlet*innenvollversammlung (AVV) in Baden-Baden als Nachfolgerin für Elena Semechin (32/Berlin) und Vertreterin der nicht-olympischen Sportarten für die bis 2029 laufende Legislatur in das wichtige Gremium gewählt. „Ich bedanke mich sehr für das Vertrauen und möchte meine Stimme effektiv nutzen und mich in Themen einbringen, die mir wichtig sind“, sagte die Rettungsschwimmerin, die vor rund sechs Wochen Mutter geworden ist und damit ihre Vorgängerin fast deckungsgleich ersetzt. Paralympicssiegerin Semechin hatte den Rückzug aus ihrem Amt mit der Dreifachbelastung als Mutter, Sportlerin und Unternehmerin begründet.

„Wir freuen uns sehr darüber, dass wir Alica für die AK gewinnen konnten“, sagte die ehemalige Fechterin Léa Krüger stellvertretend für die Kommission und dankte Elena Semechin für die geleistete Arbeit. „Ihr Einsatz war angesichts ihrer vielfältigen Herausforderungen keineswegs selbstverständlich. Sie hat uns mit ihrer Expertise in verschiedenen Themen weitergebracht und ist mit ihrer Entscheidung, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und danach zu handeln, ein Vorbild, weil ein solcher Schritt auch Mut erfordert“, sagte sie. Als einfaches Mitglied des Vereins Athleten Deutschland will Elena Semechin sich weiterhin im deutschen Sport einbringen.