Alfons Hölzl spricht für die Spitzenverbände im DOSB
Der Präsident des Deutschen Turner-Bundes, Alfons Hölzl ist am Samstag (28. März) in Potsdam von der Konferenz der Spitzenverbände einstimmig zum Vorsitzenden der Sprechergruppe der Spitzenverbände gewählt worden. Der 57-jährige Anwalt aus Bayern folgt Andreas Michelmann (Deutscher Handball-Bund), der das Sprecheramt seit 2022 innehatte.
„Ich freue mich sehr auf die bevorstehende Aufgabe und danke den Spitzenverbänden herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen“, sagte Hölzl nach seiner Wahl.“ „Gerade im Kontext der Olympiabewerbung und des Sportfördergesetzes gilt es nun, gemeinsam entschlossen voranzugehen.“
Alfons Hölzl ist seit 2016 Präsident des Deutschen Turner-Bundes. Zuvor war er neun Jahre lang Präsident des Bayerischen Turnverbandes.
Weitere Mitglieder der Sprecher*innengruppe sind Mona Küppers, Jörg Brokamp, Dr. Julia Walter und Dr. Andre Sander. Neu in der Gruppe sind außerdem Gerd Kohlhofer und Michael Hölz. Weitere Mitglieder werden erst am Jahresende gewählt bzw. bestätigt.
„Ich finde, dass der DOSB öfter eine Mittlerposition übernehmen könnte“
Als Aktiver konnte er im Rettungsschwimmen mehrere Einzel-Goldmedaillen bei Europameisterschaften gewinnen und wurde zum Ende seiner Karriere Weltmeister. Seit 2020 ist Kai Schirmer Sportdirektor der Leistungssportsparte in der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), und in dieser Eigenschaft bringt sich der 38-Jährige, der aus Bielefeld stammt, in verschiedenen Bereichen ein. Die Anfrage, ob er im Rahmen unserer Serie „20 Jahre DOSB“, in der wir wöchentlich bis zum Jubiläum am 20. Mai Themen aus dem Kosmos des organisierten Sports beleuchten, die Außensicht einer Mitgliedsorganisation auf den DOSB schildern könne, nahm er gern an. „Für mich ist wichtig, dass wir den Austausch gegenseitig mit Leben erfüllen, um gemeinsam alles dafür zu tun, dass der Sport in Deutschland den Stellenwert erhält, den er verdient“, sagt er.
DOSB: Kai, du kennst die Strukturen des deutschen Sports seit vielen Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln. Wann hast du erstmals Kontakt mit dem DOSB gehabt und wie hat sich dieser über die Jahre entwickelt?
Kai Schirmer: Die Entwicklung kann ich mit der Zeit vergleichen, als ich selbst noch aktiver Athlet war. Die Zusammenarbeit mit dem DOSB hat sich über die Jahre intensiv professionalisiert. Meinen ersten Kontakt als Funktionär in der DLRG hatte ich 2017 in der Vorbereitung auf die World Games in Polen, da war ich Assistent der Bundestrainerin und wusste noch nicht viel über die Strukturen des DOSB. Damals hatte ich erstmals Kontakt zum „Games Management“. Die World Games spielten dort 2017 noch eine untergeordnete Rolle. Die Wertschätzung für unsere Athletinnen und Athleten, aber auch für das gesamte Thema hat sich enorm erhöht. Wenn ich sehe, wie professionell die Einkleidung, die Vorbereitung und die Durchführung der World Games in China im vergangenen Jahr waren, definiere ich das auch als Anerkennung unserer Arbeit, über die wir uns sehr freuen.
Der DOSB führt den Bezug zu Olympia im Namen. Ist es deines Gefühls nach innerhalb, aber vor allem auch außerhalb der Sportblase bekannt, dass auch der nicht-olympische Sport unter unserem Dach organisiert ist?
Mein Gefühl ist, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, aber noch lange nicht da sind, wo wir gemeinsam hinwollen. Gerade im Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland muss ich immer wieder erklären, warum wir mit der DLRG Teil des Nationalen Olympischen Komitees sind. Ich werde aber nicht müde, das Thema voranzutreiben. Und für mich persönlich ist das überhaupt kein Problem, dass der DOSB so heißt, wie er heißt, denn wir fühlen uns im Dachverband durchaus gesehen und wertgeschätzt. Einen Kritikpunkt habe ich aber.
Welchen?
Wir hätten uns als Gemeinschaft der nicht-olympischen Verbände gewünscht, dass auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr der Veränderung der Präsidiumsstruktur zugestimmt worden wäre, damit hätte einer Person aus unserem Bereich garantiert ein Platz im Präsidium zugestanden werden können. Für die Sichtbarkeit innerhalb des DOSB wäre das ein wichtiger Schritt gewesen.
Worin siehst du die wichtigsten Aufgaben, die der DOSB zu erfüllen hat?
Er ist für mich das Bindeglied zwischen Breiten- und Leistungssport und dafür zuständig, dass beide Bereiche auskömmlich finanziert werden und sich stetig weiterentwickeln können. Und er ist die Stimme des Sports gegenüber der Politik.
Wie erfüllen wir diese Aufgaben?
Grundsätzlich zufriedenstellend, aber es gibt schon ein paar Dinge, die verbesserungswürdig sind. Ich glaube, dass der DOSB noch stärker in die Rolle des Koordinatoren gehen könnte. Es ist wegen der Verbandsautonomie selbstverständlich schwierig, in die Hoheit der Fachverbände einzugreifen. Aber ich finde, dass der DOSB öfter eine Mittlerposition übernehmen könnte. Im gegenseitigen Austausch zwischen den Verbänden können wir auch besser werden, zum Beispiel in dem Bereich, Sportlerinnen und Sportlern den Wechsel zwischen Verbänden zu vereinfachen. Wenn ein Sprinter aus der Leichtathletik als Anschieber zum Bobsport wechseln möchte, oder wenn eine Schwimmerin merkt, dass sie die olympischen Anforderungen nicht erfüllt, aber im Rettungsschwimmen die Chance hätte, bei den World Games Medaillen zu holen: Da könnte die Vernetzung noch besser funktionieren. Außerdem ist offensichtlich, dass die Sportförderung zielgerichteter werden muss. Unser Sport ist in Australien sehr beliebt, deshalb ist mir deren Fördersystem sehr geläufig, und ich muss sagen: Da könnten wir uns einiges abschauen! Wir brauchen im gesamten System Ideen, um unsere besten Trainerinnen und Trainer bei uns zu halten oder sogar internationales Spitzenpersonal nach Deutschland zu holen. Auch da sehe ich den DOSB im Lead.
Ihr Ziel: Mindestens das zweitbeste deutsche Team werden
Die allermeisten Menschen, die nach Nayarit reisen und dort nicht leben, kommen zum Urlaubmachen. Der kleine Bundesstaat an der Pazifikküste Mexikos lockt mit bestem Wetter und Traumstränden. Die äußeren Umstände sind zwar für Lea Kunst und Melanie Paul auch nicht ganz unwichtig, Ferien allerdings stehen für sie nicht auf dem Plan, sie sind aktuell zum Arbeiten in Mittelamerika. Die beiden Beachvolleyballerinnen kämpfen an diesem Wochenende beim Turnier der Challengerserie, in das sie in der Nacht zu Freitag mit zwei Siegen starteten und damit direkt im Achtelfinale in der Nacht zum Samstag stehen, um Preisgeld und Ranglistenpunkte. Sie tun das unter aufmerksamer Beobachtung der nationalen und internationalen Konkurrenz. Nachdem das Duo in seiner Premierensaison 2025 vor allem bei der WM in Adelaide (Australien) für Aufsehen gesorgt hatte, wird es zu Beginn der neuen Spielzeit als potenzielles deutsches Olympiateam für die Sommerspiele 2028 in Los Angeles gehandelt.
Eine Einordnung ist das, mit der die beiden sich durchaus identifizieren. Kalifornien steht für Juli 2028 fett unterstrichen in ihrer vorläufigen Reiseplanung. „Wir wollen zu den Spielen und dafür in den kommenden Jahren mindestens das zweitbeste deutsche Team werden“, sagt Abwehrspielerin Melanie, die mit 1,77 Metern Körperlänge neun Zentimeter kleiner ist als ihre Blockpartnerin. Die nationale Dominanz der aktuellen Weltranglistenachten Svenja Müller (25)/Cinja Tillmann (34) zu beenden, steht dabei nicht unbedingt vornean, die beiden Weltranglisten-35. sehen sich eher in Konkurrenz mit Linda Bock (25) und Louisa Lippmann (31). „Es ist ein spannender Dreikampf, in den auch noch andere Teams eingreifen können“, analysiert Lea den seit Jahren sehr intensiven nationalen Konkurrenzkampf, „wir haben in 2025 gesehen, dass untereinander jeder gegen jeden gewinnen kann. Für uns wird es deshalb darauf ankommen, dass wir uns bestmöglich weiterentwickeln!“
Das Duo trainert seit einem Jahr am Stützpunkt Stuttgart
Um das schaffen zu können, haben sich die beiden Sportsoldatinnen, die wie mittlerweile fast alle Topteams für den Düsseldorfer Verein Eintracht Spontent starten, zu Beginn ihrer gemeinsamen Karriere dafür entschieden, nicht am Hamburger Bundesstützpunkt mit Müller/Tillmann und Bock/Lippmann zu trainieren, sondern unter Cheftrainer Jörg Ahmann am Stützpunkt Stuttgart zu arbeiten. „Wir wollten unbedingt am gleichen Ort mit dem gleichen Trainer trainieren, um uns im Gleichschritt zu entwickeln. Stuttgart bietet eine hervorragende Infrastruktur, wir fühlen uns dort sehr wohl“, sagt Melanie, für die die Landeshauptstadt Baden-Württembergs nach Jahren des Ausprobierens feste Heimat werden soll. Die 25-Jährige wurde in Argentinien geboren, wo der Vater als Bauingenieur tätig war, und wuchs in Chile auf, wo sie mit dem Beachvolleyball begann. Zum Studium ging es zunächst in die USA, „weil ich dachte, dort Ausbildung und Sport perfekt verbinden zu können.“
Während der Corona-Zeit begann sie jedoch, mit ihrer Schwester Mariela auf der deutschen Tour zu spielen – und entschied nach dem Master-Abschluss in Nordamerika, langfristig in Deutschland bleiben und ihr sportliches Glück finden zu wollen. Mittlerweile studiert sie an der Sporthochschule in Köln Sport- und Gesundheitstechnologie – und ist nach mehreren Spielpartnerinnen-Wechseln nun überzeugt, in Lea Kunst diejenige gefunden zu haben, mit der sie ihre Olympiaambitionen umsetzen kann. „Wir hatten sofort das Gefühl, dass wir sehr gut zueinander passen, sowohl auf dem Feld als auch im Alltag“, sagt Lea – und erntet ein energisches Nicken ihrer Teamkollegin. „Ich empfinde es als besonders wichtig, dass wir eine ähnliche Spielphilosophie haben, wir agieren beide sehr kreativ und mit viel Spielwitz“, sagt Melanie.



