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Das Gesicht der Entwicklung der deutschen Hockey-Damen

Die Frage, warum sie diesen ganzen Aufwand noch immer auf sich nimmt, hat sich Lena Micheel schon das eine oder andere Mal gestellt. Seit Februar steckt sie sehr viel Energie in ihr Rechtsreferendariat, die ersten beiden Stationen an Hamburger Amtsgerichten hat sie hinter sich. „Es macht bislang sehr viel Spaß, die Themen holen mich ab“, sagt die 28-Jährige. Nach allem, was man so hört, ist ein Jurastudium mit anschließender praktischer Ausbildung anstrengender als ein Vollzeitjob in vielen anderen Branchen. Doch Zeit zum Ausruhen gibt es für Lena nicht, denn sie hat ein Hobby, das einen zweiten Hauptberuf ausfüllen würde, aber bei weitem nicht wie ein solcher vergütet wird. Sie ist Hockey-Nationalspielerin und in dieser Woche mit den deutschen Damen in Belgien gefragt. Dort, in der Belfius Hockey Arena in Wavre, finden, in Co-Gastgeberschaft mit Amstelveen in den Niederlanden, die Feld-Weltmeisterschaften statt (siehe Infobox). 

Und dieses Turnier ist ein Teil der Antwort auf die eingangs gestellte Frage. „Mir macht es einfach so viel Spaß, dass sich der Aufwand noch immer lohnt“, sagt die Mittelfeldspielerin, „es bedeutet mir alles, weiterhin bei der Nationalmannschaft sein zu können.“ Hockey, heißt es weithin oft, sei ein akademischer Sport, in dem die Besten früh aufhören, weil die Aufwandsentschädigung keine Rechnungen zahlt und der Übergang ins Berufsleben deshalb eher früher als später gelingen muss. Im Herrenbereich mag sich das mittlerweile ein Stück weit verändert haben, bei den Damen stimmt es in den meisten Fällen weiterhin. Auch deshalb ist Lena, die in Berlin aufwuchs und 2016 vom TuS Lichterfelde der besseren sportlichen Aussichten wegen zum Uhlenhorster HC in die Hockey-Hochburg Hamburg wechselte, mit ihren 28 Jahren neben Torhüterin Nathalie Kubalski (32/Düsseldorfer HC) die einzige Spielerin im Aufgebot von Bundestrainerin Janneke Schopman, die bereits vor acht Jahren im Kader für die WM in London stand.

Seit 2018 hat Lena jedes große Turnier gespielt

Und weil die „Danas“, wie sich die deutschen Hockey-Damen nennen, seit 2018 eine erstaunliche Metamorphose durchlaufen haben, lohnt ein Gespräch mit der stets bedächtigen und reflektierten Kreativspielerin doppelt. Weil sie ihre Worte sorgfältig abzuwägen, gleichzeitig aber Prozesse klar zu benennen weiß. Und weil auch sie eine Wandlung erlebt hat, die beispielhaft dafür steht, wie lebensprägend Leistungssport sein kann. „Natürlich bin ich sehr stolz und dankbar dafür, dass ich seit 2018 jedes große Turnier spielen durfte“, sagt sie, „man nimmt das im Alltag manchmal gar nicht so wahr, aber wenn ich darüber nachdenke, dann kann ich von diesen Erfahrungen extrem zehren. Ich bin jetzt in der Lage, dass ich als erfahrene Spielerin einerseits Dinge weitergeben darf, aber auch die Chance bekomme, mich Neuem zu öffnen, und das bringt mir mit dem Team gerade sehr viel Spaß“, sagt sie. 

Das war allerdings, so ehrlich möchte sie sein, nicht von Beginn an so. Nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris gab es einen großen Umbruch im deutschen Damenteam. Bundestrainer Valentin Altenburg wurde durch die Niederländerin Schopman ersetzt, eine Reihe an Leistungsträgerinnen, mit denen Lena Micheel aufgewachsen war, erklärte ihr Karriereende. „Dass sich gewisse Personalien verändern würden, war abzusehen, aber dass es so krass werden würde, hat mich schon mitgenommen. Ich hatte Probleme, mich ganz offen in die neue Kampagne zu stürzen, und brauchte Zeit, bis ich Vertrauen in das Projekt geschöpft habe“, sagt Lena, die zudem auch noch innerhalb Hamburgs den Verein gewechselt hatte und auch beim Großflottbeker THGC einen Neustart wagte. Glücklicherweise sei sie auf eine Bundestrainerin getroffen, „die sehr offen war und mir diese Zeit gegeben hat. 2025 war ein toughes Jahr, aber ich bin froh, dass ich diesen Weg gehen konnte, denn das sehr junge, neue Team holt mich total ab“, sagt sie. 

WM 2018 als Startschuss für die Abwärtskurve

Die Identitätsfindung eines Sportteams ist immer wieder ein herausfordernder, komplexer, aber auch intensiver und hochspannender Prozess. Lena Micheel erinnert sich an die WM 2018, als sie, damals 20 Jahre alt und im ersten Jahr im A-Kader, in die Gruppe hineinrutschte, die zu einem großen Teil noch aus den Spielerinnen bestand, die bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 Bronze und die bis dato letzte Olympiamedaille für das deutsche Damenhockey gewinnen konnten. „Ich war zwar noch nie schüchtern, aber mit meinen ganzen Idolen eine WM spielen zu dürfen, hat mich doch nachhaltig beeindruckt“, sagt sie rückblickend. Als Stürmerin, die sie davor und danach nie war, sollte sie „einfach mal machen“. Die Außenwirkung des Teams, das der Belgier Xavier Reckinger nach Rio übernommen hatte, um es auf die nächsten Spiele in Tokio vorzubereiten, habe sie kaum wahrgenommen. „Für mich war es unglaublich, neben Topstürmerinnen wie Marie Mävers, Lisa Altenburg und Charlotte Stapenhorst zu spielen, damit hatte ich genug zu tun“, sagt sie. 

Dennoch ordnet Lena die WM 2018 als „Startschuss für die Abwärtskurve“ ein, in die das deutsche Damenhockey hineinschlitterte. „Dort ist das Problem mit den Do-or-die-Spielen entstanden, das uns irgendwie bis Paris 2024 begleitet hat“, sagt sie mit Blick auf das Viertelfinalaus gegen Spanien. In der Gruppenphase, die die Deutschen ohne Punktverlust absolvierten, hatte man die Ibererinnen noch souverän 3:1 bezwungen und damit die neu eingeführte Viertelfinalqualifikation vermieden. In der Runde der letzten acht spielte dann zwar nur eine Mannschaft, das einzige Tor jedoch schossen die Spanierinnen. „Uns war mindestens das Halbfinale zugetraut worden, und auch im Team selbst waren die Erwartungen hoch. Diese Niederlage war ein echter Niederschlag“, erinnert sie sich. 

Sterne des Sports: Bewerberzahlen auf höchstem Stand seit 2017

Die „Sterne des Sports“, mit denen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Volksbanken Raiffeisenbanken gesellschaftliches Engagement von Sportvereinen würdigen, stoßen weiterhin auf große Resonanz. Für das Wettbewerbsjahr 2026 sind 1.386 Bewerbungen eingegangen.

Vom 1. April bis 30. Juni 2026 konnten sich Sportvereine für die „Sterne des Sports“ bewerben. Die Einreichung erfolgte erneut vollständig online über die Websites der teilnehmenden Volksbanken Raiffeisenbanken sowie zentral über die „Sterne des Sports“-Website. 

Mit 1.386 Bewerbungen wurde nicht nur das Vorjahresergebnis um rund 200 Bewerbungen übertroffen, gleichzeitig ist es der höchste Bewerberstand seit dem Jahr 2017. 

Tag der Jugend: Junge Menschen gestalten Sport

Rund jede*r zweite Jugendliche ist Mitglied in einem Sportverein. Dabei sind Vereine nicht nur Orte für Bewegung und Gemeinschaft, sondern auch wichtige Räume, in denen junge Menschen Verantwortung übernehmen, sich engagieren und ihre Perspektiven einbringen können.

Nach der DOSB-Bestandserhebung sind rund 1,74 Millionen Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren Mitglied in einem Sportverein. Dabei sind 65 Prozent der Jungen und 45 Prozent der Mädchen in dieser Altersgruppe im Sportverein aktiv. Viele junge Menschen bleiben dabei nicht bei der sportlichen Teilnahme, sondern übernehmen selbst Verantwortung – als Trainer*innen, Schiedsrichter*innen, Jugendsprecher*innen oder bei der Organisation von Angeboten und Veranstaltungen.

„Wir sind nicht nur die Zukunft. Wir sind auch die Gegenwart.“

Was ein Engagement im Sportverein bedeutet, erlebt Lena Noske aus eigener Erfahrung. Die 18-Jährige aus Berlin spielt Eishockey und engagiert sich seit 2022 als Trainerin in ihrem Verein. Inzwischen hat sie auch erste Erfahrungen als Schiedsrichterin gesammelt.

„Wir sind nicht nur die Zukunft. Wir sind auch die Gegenwart“, sagt Lena. „Wir leben heute in dieser Gesellschaft, gehen heute zur Schule, machen heute eine Ausbildung, treiben heute Sport und engagieren uns heute. Deshalb sollten wir auch heute die Möglichkeit haben, unsere Meinung einzubringen und Verantwortung zu übernehmen.“

Ihr Verein hat Lena bei ihrer Trainerausbildung unterstützt und ihr ermöglicht, Verantwortung für jüngere Spieler*innen zu übernehmen. Für sie zeigt sich daran, wie viel möglich wird, wenn junge Menschen Vertrauen und entsprechende Möglichkeiten bekommen. Gleichzeitig braucht Engagement passende Rahmenbedingungen. Schule, Ausbildung, Sport und Ehrenamt miteinander zu verbinden, sei gerade für junge Menschen häufig eine Herausforderung.