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Der Hamburger Sport zeigt Flagge für Olympia

Großes Tennis war in Hamburg in den vergangenen Wochen gleich mehrfach zu erleben. Am Rothenbaum endete am Sonntag das ATP-500-Turnier mit dem Sieg des peruanischen Qualifikanten Ignacio Buse. Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev musste seine Teilnahme verletzungsbedingt kurzfristig absagen. Nichtsdestotrotz nutzte der gebürtige Hamburger den Anlass und bekannte sich klar zur Olympiabewerbung seiner Heimatstadt. „Nichts ist weltweit im Sport vergleichbar mit der Kraft, dem Spirit und dem Geist, den Olympische und Paralympische Spiele entfachen. Ich selbst durfte miterleben, wie die Spiele eine ganz besondere, positive Euphorie in die Stadt bringen – einen Aufbruch, weit über den Sport hinaus“, sagte der Olympiasieger von Tokio. Diesen Spirit wünsche er sich auch für Hamburg: „Die Spiele passen hervorragend an Alster und Elbe. Deshalb sage ich: Ja für Olympia in Hamburg.“ Bereits einige Wochen zuvor hatte auch der Nachwuchs sein Können gezeigt: Bei der U15-Meisterschaft des Deutschen Tennis Bundes überzeugten die Hamburger Juniorinnen und Junioren auf heimischer Anlage. Sigrid Rinow, Präsidentin des Hamburger Tennis-Verbandes, und Verbandstrainer Pelle Boerma nutzten die Gelegenheit, um für Zustimmung beim Bürgerschaftsreferendum zu werben. Aus ihrer Sicht bieten Olympische und Paralympische Spiele große Chancen für den Breitensport – von der Jugendförderung bis zur Modernisierung von Sportplätzen und Turnhallen. 

Laufen für Olympia & Paralympics 

Mit einem besonderen Angebot für den Breitensport setzt auch der Hamburger Unternehmer Peter Merck ein Zeichen für die Olympiabewerbung seiner Stadt. Seit April lädt er jeden Montag zu einem Lauftreff ein, der sportliche Bewegung mit der Unterstützung für Olympia und Paralympics verbindet. Das Interesse wächst von Woche zu Woche, auch prominente Gäste wie Jogi Bitter und Laura Ludwig waren bereits mit dabei. Auf der rund drei Kilometer langen Strecke zwischen Elbphilharmonie und Fischauktionshalle wird so Woche für Woche ein Zeichen für Spiele in Hamburg gesetzt. 

Die Laufschuhe für Olympia und Paralympics wurden auch am 26. April beim Hamburger Marathon geschnürt. Rund 34.000 Teilnehmende gingen insgesamt an den Start und liefen unter anderem am Olympia & Paralympics Hot Spot in Winterhude vorbei. Ein besonders Zeichen für die Spiele setze dabei nicht nur das Olympia-Führungsauto, das den Führenden des Marathons bzw. Halbmarathons die gesamte Strecke über begleitete, sondern auch die beiden Läufer*innen, die den Marathon als Staffel im Briefkastenkostüm bewältigten. Den Wahlaufruf „Deine Stimme für Olympia & Paralympics!“ trugen sie so über 42 km durch Hamburg. Mit interaktiven Sportmodulen, einer Fotobox und Informationen durch Volunteers wurde auch neben der Strecke am Hotspot der Fokus auf die Olympiabewerbung gelegt. 

Der Dino wirbt für die Spiele 

Eine große Bühne räumte auch der Hamburger SV (HSV) der Bewerbung beim Heimspiel gegen den SC Freiburg am 10. Mai ein. Vor 57.000 Zuschauern empfing der HSV neben Hamburgs Oberbürgermeister Dr. Peter Tschentscher zahlreiche Olympiabotschafter der Hansestadt, darunter Moritz Fürste, Horst Hrubesch, und Para-Athletin Edina Müller. Kinder in speziellen Olympia-Einlaufshirts begleiteten die Profis auf das Feld, die sich ebenfalls in Olympia-Shirts von ihren Fans vor dem Spiel anfeuern ließen. Die gemeinsame Botschaft nicht nur an diesem Tag: Hamburg kann große Spiele.

Von Handball über Rugby bis zum Basketball 

Bereits am 12. April rückte das kleine Nordderby in der Handball-Bundesligaspiel die Bewerbung in den Mittelpunkt. Gemeinsam posierten der Handball Sport Verein Hamburg und der THW Kiel vor Anpfiff mit zwei Bannern, die zur Abstimmung in Hamburg und Kiel aufriefen. Die Kieler stimmten bereits am 19. April bei ihrem Referendum mit 63,5 % für die Spiele. Im Hamburger Konzept ist neben Segeln auch Handball und Rugby in der Fördestadt vorgesehen.

Beim Stadtderby zwischen dem Hamburger Rugby-Club und dem FC St. Pauli sieht Juniorennationalspieler Tom Hill vor allem die Chancen einer Olympiabewerbung Hamburgs: „Sport verbindet einfach. Für mich wäre es das Größte, in meiner Stadt auch zahlreiche andere, weniger bekannte Sportarten anschauen zu können.“ Genau darin kann die Chance Olympischer und Paralympischer Spiele für Randsportarten liegen. Niclas Füllgraf vom FC St. Pauli erhofft sich außerdem einen Aufschwung im Ausbau der Sportinfrastruktur, die auch dem Breitensport zu Gute kommt.

Für Olympia und Paralympics sprechen sich auch die Veolia Towers Hamburg aus. Neben Banneraktionen bei ihren Heimspielen, einer aktiven Social-Media-Begleitung, Teilnahmen am „Run for Olympia“ haben sich die beiden Geschäftsführer Jan Fischer und Marvin Willoughby und Vereinsvorstand Oliver Eckardt in einem offenen Brief klar für die Spiele positioniert. „Wir glauben, dass eine Olympiabewerbung für Hamburg die Chance bietet, den Sport in unserer Stadt nachhaltig zu stärken: durch mehr Aufmerksamkeit, bessere Rahmenbedingungen und einen neuen gesellschaftlichen Fokus auf Bewegung, Gesundheit und Nachwuchsförderung.“ Auch im Breitensport beteiligten sich zahlreiche Vereine und Verbände und präsentierten das gleiche Banner wie die Profis. So zum Beispiel beim Verbandspokalfinale im Feldhockey oder bei den Norddeutschen Schwimmmeisterschaften der Jahrgänge 2014 und 2015. 

Der Aktionsspieltag erreichte alleine in den Stadien und Arenen rund 150.000 Menschen, dazu kommen die hunderttausenden Zuschauenden beim Marathon und den Breitensportevents. 

Noch bis zum 31. Mai sind alle wahlberechtigten Hamburger*innen dazu aufgerufen, ihre Stimmen per Briefwahl oder vor Ort im Wahllokal abzugeben. Der Hamburger Sport hat sich schon längst mit einem klaren „Ja“ für Sommerspiele ausgesprochen. Jetzt liegt es an den 1,3 Millionen wahlberechtigten Bürger*innen der Hansestadt, sich zu positionieren. 

5 Ringe – 5 Fragen: Bürgerschaftsreferendum entscheidet über Hamburger Olympiabewerbung

Warum möchte sich Hamburg bewerben? 

Hamburg versteht sich als internationale Sport- und Hafenstadt mit kurzen Wegen, moderner Infrastruktur und großer Erfahrung bei der Ausrichtung internationaler Veranstaltungen wie dem SUZUKI World Triathlon Hamburg oder dem Haspa Marathon. Den nächsten großen Schritt sieht die Stadt Hamburg in einer möglichen Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele. Sie bieten die Möglichkeit, nicht nur die Spiele modern zu organisieren, sodass sie nachhaltig geplant sind und daher mit bestehenden und temporären Sportstätten arbeiten, sondern dadurch auch die Stadt weiterzuentwickeln. 

Im Mittelpunkt der Bewerbung steht die Idee kompakter Spiele: Viele Wettkampfstätten liegen zentral und sind gut mit dem ÖPNV, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß erreichbar. Gleichzeitig möchte Hamburg die Spiele nutzen, um wichtige Zukunftsprojekte in den Bereichen Sport, Mobilität, Wohnungsbau und Stadtentwicklung zu beschleunigen. 

Wie sollen die Spiele in Hamburg aussehen? 

Herzstück der Hamburger Olympiabewerbung ist die Binnenalster, auf deren eindrucksvoller Kulisse die Eröffnungsfeier den Auftakt bilden soll. Hier sollen laut Senat danach das 3x3 Basketball Turnier und die finalen Bogenschießen Wettkämpfe ausgetragen werden.

Die kompakte Planung soll die Spiele in Hamburg möglichst nahbar für Zuschauerinnen und Zuschauer machen. 

85 % der Wettkampfstätten befinden sich in einem Umkreis von sieben Kilometern, ausgehend von der „Olympic Park City“, dem Heiligengeistfeld. Im „Olympic Park Altona“, im nördlichen Volkspark finden laut Konzept Leichtathletik, Turnen und Schwimmen statt. 

Durch kurze und barrierearme Wege in der Stadt, soll Hamburg zur barriereärmsten Metropole Deutschlands werden – so das Ziel der Konzept-Verantwortlichen in Hamburg. 

Die weltbesten Athlet*innen kommen in einem Olympischen und Paralympischen Dorf, der Science City Hamburg Bahrenfeld, zusammen. Die zentrale Lage ermöglicht es 40 % der Athlet*innen zu Fuß zu ihren Wettkampfstätten zu gelangen. Nach den Spielen stehen die Wohnanlagen rund 9.000 Menschen als bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung. 

Mit Kiel setzt Hamburg auf einen Außenstandort, an dem Segeln, Handball und Rugby geplant sind. 

Welche langfristigen Vorteile hätten Olympia und Paralympics für Hamburg? 

Der Ausbau einer barrierearmen Stadt bedeutet, dass nicht nur die Spiele für viele Menschen zugänglich sind, sondern auch, dass die Stadt weit über die Spiele hinaus von barrierearmen ÖPNV, Sportanlagen und Infrastruktur profitiert. 

24 % der Wettkampfstätten werden laut Senat temporär errichtet und Teil der Ausstattung kommen im Anschluss in Hamburger Sportstätten zum Einsatz, wie z. B. Turn- und Hallenböden. Auch Schulen und Bezirke sind in der Nachnutzung vorgesehen und erhalten bspw. Tischtennisanlagen.

Übrigens: Schon seit 2015 profitiert Hamburg von der letzten Olympiabewerbung. Die Stadt hält seither am Konzept der „Global Active City“ fest und zeigt damit, welche Impulse zur Sportförderung allein durch die Bewerbung ausgelöst werden können.

Wer unterstützt die Hamburger Bewerbung? 

Der Sport, bekräftigt seine Unterstützung in Breite und Spitze über den April und Mai verteilt mit der Ausrichtung von vielen Aktionsspieltagen: von Schwimmen über Tennis bis Rugby. Egal ob Harvesterhude Tennis- und Hockey-Club, Hamburger Sport-Verein oder der Lauftreff bis zum Referendum – die Vereine und Veranstaltungen zeigen, der Sport steht hinter der Bewerbung Hamburgs und sieht die Potenziale, die hinter Olympischen und Paralympischen Spielen stecken. 

Aber nicht nur der Sport, sondern auch in der Politik erfahren die Planungen des Senats große Unterstützung. Für den Hamburger Oberbürgermeister Peter Tschentscher ist klar: „Olympia steht für sportlichen Wettbewerb und ein friedliches Miteinander der Völker. Die Olympischen Spiele werden zusammen mit den Paralympischen Spielen ausgerichtet, die Teilhabe und Inklusion fördern.“ 

Daneben hat sich ein breites Bündnis an Wirtschaftspartnern – neben der nationalen Wirtschaftsinitiative – gebildet, das die Bewerbung unterstützt. 

Wie geht es nach dem Bürgerschaftsreferendum weiter? 

Das Ergebnis des Bürgerschaftsreferendums fließt in der Kategorie „Nationale Akzeptanz“ in die Bewertungsmatrix des DOSB mit ein. Daneben bilden die sportfachliche Eignung, internationale Wettbewerbsfähigkeit, Kosten und Finanzierung sowie Fragen der nachhaltigen Wirkung über die Spiele hinaus weitere prüfungsrelevante Kriterien. 

Das Bürgerschaftsreferendum in Hamburg bildet als letztes Referendum den Abschluss der Stufe 2, der Einbindung der Bevölkerung, im 3-Stufen-Modell des DOSB. Auf diese Phase folgt die dritte Stufe, in der alle bis 4. Juni eingereichten Konzepte geprüft und bewertet werden.

Am 26. September fällt auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des DOSB in Baden-Baden die finale Entscheidung, welches Konzept in das internationale Rennen zieht. 

 

Sein Erfolgsrezept? Den Körper unter Vollstress setzen!

13 oder 14 Jahre war er alt, ganz genau weiß Maximilian Dallinger es nicht mehr, als er mit seinen Eltern zum ersten Mal die Schießanlage in Garching-Hochbrück besuchte. Im Weltcup war damals der US-Amerikaner Matthew Emmons am Start, Olympiasieger von Athen 2004 und für das Nachwuchstalent von der Schützengesellschaft Isental Lengdorf ein absolutes Vorbild. „Für mich war es ein Traum, einen Sportler wie ihn aus der Nähe erleben zu können“, sagt der 29-Jährige rückblickend. In dieser Woche nun steht Maxi in Garching selbst im Mittelpunkt. Beim Heimweltcup auf der Schießbahn der Olympischen Spiele von 1972 ist der Mann, der im vergangenen Jahr mit dem Gewinn des WM-Titels in der Disziplin Luftgewehr 10 Meter die Schießsportwelt durcheinanderwirbelte, einer derjenigen, auf die nicht nur der Nachwuchs schaut.

„Ein Weltcup daheim ist immer etwas Besonderes. Aber der Stellenwert dieses Wettkampfs ist weltweit extrem hoch, weil er für alle Nationen ein absolutes Highlight im Kalender darstellt“, sagt der gebürtige Erdinger, der mittlerweile in Freising und damit keine halbe Stunde von einer der größten zivilen Schießanlagen der Welt entfernt lebt. 732 Athlet*innen aus 85 Nationen haben für die Wettbewerbe gemeldet, der Bayrische Rundfunk überträgt das Luftgewehr-Finale der Männer an diesem Dienstag um 18.30 Uhr und das Finale der Gewehrfrauen im Dreistellungskampf am Mittwoch um 13 Uhr live auf BR24sport.de, die restlichen acht Finals laufen bei sporteurope.tv. „Die Veranstaltung ist immer perfekt organisiert, innerhalb von zehn Minuten ist man an allen Wettkampfstätten. Alle Ausrüster präsentieren ihre Ware und Neuheiten. Es ist mehr eine Messe als ein normaler Weltcup, daraus erklärt sich die Beliebtheit“, sagt Maxi Dallinger.

Dazu kommt, dass die Anbindung an die Stadt München und die Berge und Seen im Umland perfekt ist. Anders als bei Wettkämpfen in Doha (Katar) oder Kairo (Ägypten), wo die Schießanlagen entweder abgelegen in der Wüste liegen oder für Publikum gar nicht zugänglich sind, werde die Stimmung im Schießsportland Deutschland – der Deutsche Schützenbund (DSB) ist mit rund 1,35 Millionen Mitgliedern hinter Fußball, Turnen, Tennis und dem Deutschen Alpenverein fünftgrößter olympischer Fachverband – allseits hoch geschätzt. „Wenn man eine Umfrage unter den internationalen Athlet*innen machen würde, wäre der Weltcup in Garching für 95 Prozent der Lieblingsstandort, da bin ich sicher“, sagt Maxi Dallinger.

Wer es in die Top 20 schafft, zählt zur Weltspitze

Dass die Augen in seiner Heimat noch mehr als sonst auf ihn gerichtet sein werden, ist dem 1,82 Meter großen Athleten bewusst. Der WM-Titel aus dem vergangenen Jahr, der in den Medien irgendwo zwischen „überraschend“ und „sensationell“ eingeordnet wurde, hat seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht; weniger dagegen seinen Stellenwert in der Szene, glaubt Maxi Dallinger. „Ich war auch vorher schon auf der Bildfläche und habe nicht das Gefühl, jetzt der Gejagte zu sein“, sagt er. Dafür sei die Spitze in seiner Paradedisziplin zu breit. „Bei internationalen Wettkämpfen kommen 30 Kandidaten infrage, die gewinnen können. Man kann nie mit einer Finalteilnahme rechnen, wer es in die Top 20 schafft, zählt zur absoluten Weltspitze. Die Tagesform ist in unserem Sport sehr entscheidend“, sagt der Topathlet, der auch im Kleinkaliber-Dreistellungskampf aktiv ist.

Als Beleg dafür lässt sich der WM-Wettkampf in Kairo im vergangenen Jahr anführen, in dem Dallinger es im Finale mit Olympiasieger Lihao Sheng aus China und dem schwedischen Olympiazweiten Victor Lindgren zu tun hatte. „Wenn die einen Toptag haben, hauen die einem ein Brett vor den Kopf, dass einem die Ohren schlackern. An dem Tag war das aber nicht so, beide hatten ein paar schlechte Schüsse dabei, ich habe ausgewogen ohne Ausreißer geschossen. Und auf einmal war ich Weltmeister“, erinnert er sich an die Dramatik des Finales, in dem er mit dem letzten Schuss Lindgren um 0,3 Ringe auf Rang zwei distanzieren konnte.

Für Maxi Dallinger war dieses Erlebnis nicht nur sportlich, sondern vor allem mental ein Gamechanger. Hatte er sich vor der WM in Finalwettkämpfen bei internationalen Events oft schwergetan, war da in Kairo plötzlich ein anderes Gefühl. „In der Qualifikation spürte ich, dass es sehr gut läuft, dennoch hatte ich diesen Angstmoment, in dem ich gedacht habe: Wenn ich jetzt ins Finale komme, geht es mir wieder schlecht! Als Schütze kann man solchen Stress gar nicht gebrauchen, aber bei der WM ist es mir gelungen, ihn in positive Energie umzuwandeln. Und mit diesem Wissen, dass ich jetzt Werkzeuge habe, um damit besser umzugehen, fühle ich mich selbstbewusster“, sagt er.