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„Sportvereine leisten einen entscheidenden Beitrag zur Gesundheitsförderung.“

DOSB: Der Weltgesundheitstag lenkt den Blick auf Prävention und Lebensqualität. Welche Rolle spielt Bewegung aus Ihrer Sicht für die Gesundheit?

Ralf Gottfried: Bewegung ist aus meiner Sicht eine zentrale Grundlage für Lebensqualität in allen Lebensphasen. Sie wirkt präventiv, stärkt sowohl körperliche als auch mentale Gesundheit und schafft einen wichtigen Ausgleich im Alltag. Gerade in einer zunehmend bewegungsarmen Gesellschaft wird Bewegung zu einer bewussten Entscheidung für die eigene Gesundheit. Entscheidend ist dabei, dass Bewegung individuell angepasst werden kann. Vom Kindesalter bis ins hohe Alter bietet sie die Möglichkeit, Menschen genau dort abzuholen, wo sie stehen. Diese Flexibilität macht Bewegung zu einem der wirkungsvollsten Instrumente für nachhaltige Gesundheitsförderung.

Sie engagieren sich seit vielen Jahren im Gesundheitssport, unter anderem als DOSB‑lizenzierter Trainer, im Steuerkreis „Bewegung mit Herz“ und als Demenz‑Partner. Was treibt Sie persönlich an, sich so intensiv für Bewegung und Gesundheit einzusetzen?

Mein Antrieb ist stark durch meine eigenen Erfahrungen im Sport geprägt. Vor der Gründung von movePROsport e.V. war ich im Leistungssport als Trainer tätig. In diesem Umfeld wurde Leistung sehr gezielt entwickelt, das Thema Prävention hingegen häufig nicht systematisch in den Trainingsalltag integriert. Oft wurde Prävention den Athleten selbst überlassen, beispielsweise durch individuelle Maßnahmen oder lockere Laufeinheiten. Für mich war das weder nachhaltig noch zielgerichtet. Ich habe früh erkannt, dass Prävention genauso strukturiert, professionell und verbindlich umgesetzt werden muss wie leistungsorientiertes Training. Mit movePROsport e.V. haben wir genau hier angesetzt und eine Struktur geschaffen, in der Prävention im Mittelpunkt steht. Unser Ziel ist es, Menschen aktiv dabei zu unterstützen, langfristig gesund, leistungsfähig und motiviert zu bleiben.

Strahlemann und Stinkefinger – wie Leon Ulbricht zum Gesamtweltcupsieger wurde

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es in der weiten Welt der Sprichwörter. Wer über WhatsApp mit Leon Ulbricht kommuniziert, sieht in dessen Account ein Profilbild. Es zeigt einen blonden Jungen, der frech in die Kamera strahlt und dabei beide Mittelfinger in die Höhe streckt. Aufgenommen wurde es vor ungefähr zwölf Jahren im Familienurlaub von seinen Eltern. Und auch wenn dem damals Achtjährigen die Symbolik dieses Fotos selbstverständlich nicht bewusst sein konnte, drückt es heute ziemlich exakt das aus, was den 21-Jährigen zum Gesamtweltcupsieger im Snowboardcross gemacht hat: Leon Ulbricht ist ein zugänglicher, fröhlicher Mensch, der am liebsten Spaß bei allem hat, was er tut. Aber er macht die Dinge auf seine Weise und lässt sich von anderen nicht beirren. Strahlemann und Stinkefinger, das ist die Erfolgsmischung. Und weil der Topathlet vom SC Rötteln ein Mensch ist, der reflektiert auf sein eigenes Tun schaut, ist es umso spannender, mit ihm einen Rückblick auf seine aufregende Saison zu werfen.

Am Mittwochmorgen, als er zur verabredeten Zeit den Anruf entgegennimmt, ist Leon Ulbricht noch immer etwas „verjetlagt“. Das Saisonfinale fand in Mont-Sainte-Anne statt, im kanadischen Bundesstaat Québec, erst am Montagmorgen war die Mannschaft wieder in München gelandet. Das für Dienstagvormittag geplante Telefonat mit dem DOSB hatte Leon abgesagt, weil er wegen des Neuschnees in den Alpen spontan zum Boarden wollte. „Ich hatte einfach Bock drauf, auch wenn das aus der Perspektive der Regeneration vielleicht nicht sinnvoll war. Aber die Saison ist ja nun vorbei und ich kann solche Sachen machen“, sagt er. Und ist damit schon mittendrin in der Analyse, denn es scheint genau dieses Lustprinzip zu sein, das dem Sportsoldaten die notwendige Lockerheit verleiht, um auch nach schweren Rückschlägen nicht die Freude an seinem Sport zu verlieren.

Einen solchen schweren Rückschlag hatte Leon im Februar zu verkraften. Bei den Olympischen Spielen in Italien hatte er sich durchaus Medaillenchancen ausgerechnet. Die Trainingsform stimmte, in der Qualifikation für das Rennen in Livigno fuhr er die drittbeste Zeit und hinterließ mit seinem herausragenden Startverhalten und der dominanten Rennführung bei allen Beobachtenden den Eindruck, dass der Weg zum Gold nur über ihn führen könnte. Dann jedoch kam das Viertelfinale, in dem neben dem Italiener Lorenzo Sommariva und dem US-Amerikaner Nick Baumgartner auch Team-D-Kollege Martin Nörl (32/DJK-SV Adlkofen) zum Viererfeld zählte. In einer Linkskurve kollidierten Nörl und Baumgartner leicht, der Deutsche rutschte über die Piste und räumte dabei seinen jungen Teampartner ab. Aus der Traum von einer Medaille, die greifbar schien. Leon brauchte im Livigno Snow Park viel Zeit, um den Frust zumindest derart in den Griff zu bekommen, dass er sich den Medien stellen konnte.

Sein Motto: Spaß haben, dann kommen Titel von selbst

Vollkommen verarbeitet hat er das Geschehene auch gut sechs Wochen später noch nicht. „Es beschäftigt mich noch immer, ich habe oft darüber nachgedacht, ob ich irgendetwas hätte anders machen können“, sagt er. Während der gesamten Saison 2025/26 habe er keine ähnliche Situation geschweige denn einen Sturz erlebt, „es war mein zweitschlechtestes Resultat dieses Winters. Dass das ausgerechnet bei Olympia passiert, ist natürlich bitter“, sagt er. Wahrscheinlich seien es diese zwei, drei Prozent mehr Anspannung, die im Feld spürbar seien, die dazu führten, in engen Situationen doch mehr Risiko zu nehmen, als man es im Weltcup tun würde. „Und dann passieren solche Sachen, für die ich auch im Nachhinein niemandem die gesamte Schuld gebe.“

Umso interessanter war die Reaktion, die Leon Ulbricht auf das olympische Desaster zeigte. Er gewann das erste Weltcuprennen nach den Spielen, fuhr zwei weitere Male aufs Podium und reiste als Führender der Gesamtwertung zum Abschlusswettbewerb nach Kanada, mit einem Punkt Vorsprung auf den Franzosen Aidan Chollet (21), mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet, und 42 Zähler vor dem Australier Adam Lambert (28). Zu irgendwelchen Rechenspielen habe er sich deshalb aber nicht verleiten lassen, sagt er: „Mir geht es immer darum, Rennen zu gewinnen. Ich war auch nicht aufgeregter als sonst, sondern habe mir einfach gedacht: Zieh dein Ding durch und schau, was am Ende dabei herauskommt!“

Diese Taktik ist es, die sein sportliches Leben bestimmt, er beschreibt sie auch auf seiner Homepage. „Mein Traum ist es, mich an die Weltspitze im Snowboardcross zu setzen und dort einfach Spaß zu haben. Dabei spielen für mich irgendwelche großen Titel eher eine nebensächliche Rolle, das kommt dann schon von selbst“, steht dort zu lesen. Den Beweis dafür lieferte er in Kanada. Chollet schied im Viertelfinale aus. Lambert gewann zwar das Große Finale, aber weil Leon direkt auf Rang zwei folgte, reichte der Sieg dem Australier nicht zur Aufholjagd. Den ersten großen Titel hat er eingefahren, den Weg in die Weltspitze ist er gegangen – und Spaß hat es auch gemacht, und das nicht zu knapp. „Ich denke, dass wir sagen können, dass unser Plan ganz gut aufgegangen ist“, sagt er.

Sport als Motor für Entwicklung und Frieden

Der Internationale Tag des Sports für Entwicklung und Frieden erinnert jedes Jahr am 6. April an die besondere Rolle des Sports für eine gerechtere und friedlichere Welt. Das Datum verweist auf die Eröffnung der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen und steht sinnbildlich für die Werte der Olympischen Idee: Respekt, Solidarität und internationale Verständigung.

Sport ist als wirkungsvolles Instrument zur Umsetzung der Agenda 2030 und der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) international anerkannt. Bildung, Gesundheit, Gleichstellung und gesellschaftliche Teilhabe lassen sich durch Sport nachhaltig fördern. Seit der Partnerschaft zwischen den Vereinten Nationen und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) wird dieser Ansatz weltweit gestärkt.

Ein besonderes Zeichen setzt die Olympische Bewegung mit den Youth Olympic Games Dakar 2026, die erstmals auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden. Unter dem Motto „Africa welcomes – Dakar celebrates“ rücken die Spiele junge Menschen, Wertevermittlung und nachhaltige Sportentwicklung in den Mittelpunkt und unterstreichen die Bedeutung Afrikas für die Zukunft des Sports.