Wie der Sport die deutsch-französische Freundschaft fördert
Die Entwicklungen bei der Tour de France verfolgt sie nicht täglich. Aber dass die wichtigste Radrundfahrt der Welt einen gewissen Einfluss auf ihr berufliches Wirken hat, kann und möchte Isabelle Dibao-Dina nicht verhehlen. „Die Tour trägt dazu bei, dass Frankreich stärker ins Blickfeld der deutschen Sportfans rückt, und das kann auch für unsere Arbeit einen positiven Effekt haben“, sagt die 42-Jährige. Im Ressort Internationale Jugendarbeit der Deutschen Sportjugend (dsj) ist Isabelle gemeinsam mit ihrer Kollegin Carina Weber-Bougherfa für das Thema „Deutsch-französische Beziehungen“ zuständig. Die Vollzeitstelle, die sich die beiden teilen, ist die innerhalb des Ressorts am längsten existierende. Mit der Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) im Rahmen des von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle unterzeichneten Elysée-Vertrags von 1963 wurden auch die sportlichen Beziehungen der beiden Nachbarländer auf eine vertragliche Grundlage gestellt, von der sie bis heute profitieren.
18 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sollte der Elysée-Vertrag die Aussöhnung der beiden Völker unterstützen und über das Jugendwerk den jungen Menschen das Kennenlernen und Schließen von Freundschaften erleichtern. „Heute ist das Ziel zum Glück ein anderes, es geht nicht mehr um Versöhnung, sondern um das Vertiefen der Freund- und Partnerschaft“, sagt Isabelle, die im wahrsten Wortsinn ein Kind ihrer Institution ist. Ihre Eltern – Vater Franzose, Mutter Deutsche – lernten sich über ein Freundschaftsprogramm kennen. Sie wuchs im Elsass auf, lebt aber seit mehr als 15 Jahren in Frankfurt am Main, wo sie zunächst für das Ressort Internationales im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) arbeitete und vor zwölf Jahren in dessen Jugendorganisation wechselte.
Jedes Sportorgan kann einen Antrag auf Förderung stellen
„Unser Ziel ist eine stetige Weiterentwicklung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auf sportlicher Ebene“, sagt sie. Angesichts der politischen Lage mit starken rechtsnationalen Strömungen in beiden Ländern sei diese Aufgabe „vielleicht wichtiger denn je, weil wir spüren, wie notwendig es ist, gemeinsame Werte zu vermitteln und zu stärken.“ Zwar sei der Austausch in den Grenzregionen angesichts der räumlichen Nähe intensiver, „aber wir erreichen sowohl bundesweit als auch in ganz Frankreich viele Träger, die den Austausch fördern. Das schließt auch die Übersee-Regionen wie Guadeloupe, Martinique oder La Réunion ein, in denen Frankreich bis heute Einfluss hat.“
Jedes Sportorgan, vom kleinsten Verein bis zum größten Verband, kann bei der dsj einen Antrag auf Förderung eines Freundschaftsprojekts oder Partnerschaftsprogramms stellen. In Frankreich wird die Förderung vom Nationalen Olympischen Komitee finanziert. Vom DFJW erhalten beide Seiten aktuell eine gemeinsame Fördersumme von insgesamt 950.000 Euro pro Jahr. „Davon können wir auf deutscher Seite rund 80 Anträge fördern“, sagt Isabelle. Inhaltlich geht es in diesen Anträgen immer um den gegenseitigen Austausch. Man trainiert gemeinsam oder bestreitet Lehrgänge. „Oft ist man gegenseitig in Gastfamilien untergebracht, lernt dadurch den Alltag der anderen kennen und erhält neue Perspektiven.“ Ebenso wichtig sind kulturelle Inhalte, „es sollte aber nicht nur um Sightseeing gehen. Außerdem sind ausschließliche Turnier- oder Wettkampfteilnahmen nicht förderfähig, es braucht Inhalte, die über den reinen sportlichen Wettkampf hinausgehen.“
DOSB begrüßt Einigung zum Sportfördergesetz
Der Spitzensport bekommt in Deutschland damit erstmals eine explizite gesetzliche Grundlage auf Bundesebene und mit der Spitzensportagentur einen neuen Motor für mehr Erfolg und mehr Medaillen.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist mit den Änderungen auf den letzten Metern im Großen und Ganzen zufrieden. Jetzt müssen alle die neuen Grundlagen nutzen, die Agentur arbeitsfähig machen und unseren Athlet*innen damit beste Rahmenbedingungen bieten. Der DOSB begrüßt ausdrücklich die Einigung der Regierungskoalition und dankt insbesondere den Berichterstattern Stephan Mayer (CDU/CSU) und Bettina Lugk (SPD) für ihren Einsatz. Die Zustimmung der Grünen beweist die breite Unterstützung, die das Reformvorhaben in der Politik hat.
DOSB-Präsident Thomas Weikert: „Wir wollen Deutschland zurück in die Weltspitze des Sports führen. Wir wollen ein System gestalten, das nachhaltige Spitzenleistungen hervorbringt. Wir wollen unseren Athlet*innen beste Bedingungen für internationalen Erfolg bieten. Mit der Einigung zum Sportfördergesetz rücken wir diesen Zielen ein deutliches Stück näher. Gerade vor dem Hintergrund einer deutschen Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ist klar: Wir wollen vorne mitspielen – erst recht bei Spielen zuhause. Das Gesetz bietet eine gute Grundlage, auf der wir Erfolge aufbauen können.“
IOC hebt Suspendierung des NOK Russland vorläufig auf
In einer Welt voller Konflikte, kriegerischer Auseinandersetzungen und wirtschaftlicher Verwerfungen ist der Weltsport mehr als je zuvor herausgefordert, in seiner Funktion als Brückenbauer zwischen den Menschen wirken zu können.
Auf dieser Basis versteht der DOSB die heutige Entscheidung des Exekutivkomitees des IOC einer Wahlfreiheit für die Weltfachverbände, ob russische Athletinnen und Athleten wieder mit Fahne und Hymne an internationalen Wettkämpfen teilnehmen oder nicht. Die Suspendierung des russischen NOK wurde aufgehoben. Für die Erwachsenen-Wettbewerbe des IOC bleibt es allerdings vorerst bei neutralem Status ohne Fahne und Hymne und ohne Einladungen an Regierungsvertreter. Das IOC wird zudem keine Wettkämpfe auf russischem Territorium organisieren.
Dies geschieht im Angesicht des nun seit mehr als viereinhalb Jahren anhaltenden Angriffskriegs der russischen Föderation gegen die Ukraine. Die Entscheidung steht aber auch im Kontext der aktuellen geopolitischen Lage mit zahlreichen Krisen und Kriegen und basiert auf der Überzeugung im Weltsport, dass Sportlerinnen und Sportler auf Dauer nicht zur Verantwortung für die Handlungen ihrer Regierungen gezogen werden dürfen.
Einen Weg zurück hatte der DOSB bereits in seiner ersten Stellungnahme nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine am 18. März 2022 skizziert. Damals hieß es: „Sicher aber ist, dass man irgendwann wieder zueinander finden und der Sport dabei eine verbindende Rolle (spielen) sollte.“ Für den DOSB ist dabei entscheidend, dass der Weg zurück weiter klug gestaltet wird, um die Integrität des Wettbewerbs und dessen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu schützen und dem Regime in Moskau keine Bühne zu bieten, um sportliche Erfolge von Athletinnen und Athleten aus Russland propagandistisch auszuschlachten.
Zudem begrüßt der DOSB die Empfehlung des IOC, dass russische Athletinnen und Athleten erst nach einer Übergangsphase mit einem glaubwürdigen und unabhängigen Doping-Testregime wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Dies gilt insbesondere für Wettkämpfe in Deutschland, wo mehr als eine Million Ukrainerinnen und Ukrainer Zuflucht vor dem Krieg gefunden haben.
Darüber hinaus empfiehlt der DOSB aktuell seinen Mitgliedsverbänden, bei der Durchführung von internationalen Wettkämpfen russische Athletinnen und Athleten, wenn möglich, unter neutralem Status teilnehmen zu lassen und die Entsendung von Athletinnen und Athleten zu internationalen Wettbewerben in Russland sorgfältig zu prüfen.




